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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 10. September 2010

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Kastrationen um Leben zu retten

Text und Fotos: Stefan Grothus

Dass Kastrationsaktionen die effektivste Tierschutzmaßnahme in Problemländern sind, dazu braucht es kaum noch Argumente.

Die Beiträge in den folgenden Artikeln bieten dazu zahlreiche Details und Hintergrundinformationen.

Die einleitende Geschichte von Ira steht dabei stellvertretend für unzählige Tiere...

Ira

Ira lebt auf Kreta in der Nähe eines Touristenortes 2 km vom Strand entfernt. Im Sommer kann sie die Stimmen der vielen Menschen am Strand hören, aber ansonsten ist weit und breit kein Mensch oder Haus zu sehen. Alle paar Tage kommen Männer und legen ihr Schlachtabfälle hin und füllen Wasser in eine rostige Schüssel. Manchmal vergessen sie sie auch und dann muss sie hungern. Die hübsche Hündin ist gerade 3 Jahre alt geworden. Ihr Zuhause ist eine alte Blechtonne, an der Sie mit einer 4 Meter langen Kette angebunden ist. Sie soll einen Pfad bewachen, damit die Ziegen nicht auf die 500 Meter weit entfernte Straße laufen. Seit ein paar Tagen ist Ira aber nicht mehr alleine. Um Sie laufen mehrere aufgeregte Rüden herum, denn Ira ist läufig. In den nächsten 2 Tagen wird Sie von mehreren der Rüden gedeckt. Ihre Welpen wird sie an der Kette bekommen und von ihnen wird die Hälfte verhungern, denn die dürre Hündin hat nicht für alle genug Milch. Es wird ihre fünfte Trächtigkeit sein. Bisher hat sie 49 Welpen produziert, von denen 31 nicht älter als 3 Monate geworden sind.

 

Die Situation

Ira ist in Griechenland kein Einzelfall. Das Elend der Ketten-/Tonnenhunde und Streunertiere in einigen südeuropäischen Ländern ist unermeßlich. Während der Touristensaison finden viele Streuner Nahrung in den Abfällen der Tourismusindustrie und man lässt sie gewähren, weil die Touristen häufig tierlieb sind.

In den Wohngebieten und Siedlungen der großen Städte sieht es aber anders aus, dort werden die Streuner und ganz besonders die Katzen als Plage angesehen. Nicht selten findet man um die Wohnhäuser Katzenrudel mit 30 und mehr Tieren. Diese Tiere fallen den Menschen zur Last und bezahlen das häufig mit ihrem Leben, indem sie Opfer von Vergiftungsaktionen oder anderen - mitunter äußerst grausamen - Methoden zur Dezimierung der Streunerpopulation werden.

Wie viel streunende Katzen und Hunde es zum Beispiel auf der Insel Kreta gibt, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von bis zu 500.000 Tieren aus. Klar ist: Es sind viel zu viele!

Trieb zur Arterhaltung

Der Fortpflanzungstrieb bei Hunden und Katzen hat nichts mit romantischer Harmonie an einem lauen Sommerabend zu tun, sondern ist ein Instinkt, der der Weitergabe der eigenen Gene zur Erhaltung der Art dient. Diesen Instinkt leben Millionen Straßentiere täglich aus. Oft setzen sie bei dieser „Liebesmüh“ auch noch das eigene Leben aufs Spiel.

Ein kleiner Schnitt

Da die Tiere nicht verstehen, in welches Elend sie ihre Jungen hinein gebären, sehen die Tierärzte und Tierschützer des Tierärztepools in Kastrationsaktionen eine bewährte effektive und sinnvolle Tierschutzmaßnahme, dem Fortpflanzungstrieb der Streuner durch einen kleinen Schnitt ein Ende zu bereiten.

Was ist eigentlich ein Streuner?

1. die wilden Streuner

Ein Tier, das ohne jegliche Identifikationsmerkmale umherlaufend beobachtet werden kann, wird allgemein als Streuner bezeichnet. Wilde Streuner leben meistens schon seit Generationen ohne menschliche Fürsorge und sind so angepasst an ihre Lebenssituation, dass sie wirklich scheu wie ein Wildtier sind.

Abgemagert, scheu und von Krankheit gezeichnet

  • Streunertiere werden nicht gepflegt; dementsprechend zerzaust sehen sie meistens aus.
  • Viele der wildgeborenen Hunde und Katzen haben in ihrer Prägephase kaum Kontakt zu Menschen. Sie sind daher relativ scheu und lassen sich nicht gerne anfassen, geschweige denn einfangen.
  • Die Tiere besitzen keine Identifikationsmerkmale wie Halsbänder, Tätowierungen, Mikrochips oder ähnliches.
  • Streunertiere sind häufig unterernährt und haben sichtbare Mangelerscheinungen. Parasiten, Verletzungen, Autounfälle und die im Winter manchmal sehr krassen Witterungsbedingungen zeichnen viele Tiere.

2. die ausgesetzten Streuner

Diese Tiere machen den überwiegenden Teil der Streuner in den südlichen Urlaubsländern aus: Tiere, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden.

Verängstigter Streuner mit Halsband

Die Tierschützer in den südeuropäischen Ländern und ganz besonders in Griechenland gehen davon aus, dass hier das eigentliche Problem der Streuner-Überpopulation liegt: die von privaten Tierhaltern ausgesetzten Tiere.

"Ware" Haustier

Hunde und Katzen als Haustiere zu halten, ist auf in ganz Europa sehr beliebt. In einigen südeuropäischen Ländern gibt es allerdings zahllose Züchter, die meistens völlig unkontrolliert Katzen- oder Hunderassen verpaaren.

In Griechenland und anderen Ländern gibt es auch die Möglichkeit, Tiere in "Pet Shops" zu kaufen. Sehr beliebt sind die billigen, als reinrassig deklarierten Welpen, die zu Tausenden aus den Ostblockstaaten importiert werden. Die Tiere werden in den Shops als Ware verkauft: Jeder kann sie - ohne über die Bedürfnisse eines Tieres aufgeklärt zu werden - kaufen, auch Kinder. Stellt der neue Hausgenosse dann mehr Ansprüche, als erwartet, landet er auf der Straße.

Kastrationen zur Verhinderung ungewollter Trächtigkeiten bei Haustieren sind auf Kreta nicht üblich. Im Gegenteil: Auch hier ist bei vielen Tierhaltern noch das Märchen weit verbreitet, ein Weibchen müsse einen Wurf bekommen, um die richtige Reife zu erlangen. Die Entfernung der Fortpflanzungsorgane ist aus religiösen und emotionalen Gründen immer noch ein verbreitetes Tabu.

Überflüssig geworden

So kommt es in den Haushalten zu unzähligen, gewollten oder ungewollten Trächtigkeiten von Hunden und Katzen. Solange die Welpen klein sind, dienen sie dann meistens noch als beliebte Spielzeuge für die Kinder. Fangen die Tiere dann aber an, ihre kleine spitzen Zähne einzusetzen und werden immer größer, entledigt man sich ihrer. Es ist in Griechenland nicht verbreitet, die überflüssig gewordenen Welpen zu vermitteln. So wandern die Tiere auf den Müll, enden als lebende Zielscheibe, werden auf andere grausame Art und Weise getötet oder bestenfalls ausgesetzt.

Entsorgt

Aber nicht nur Welpen erleiden dieses Schicksal. Auch überflüssig gewordene ältere, verletzte oder sogar schwer kranke Tiere werden in der Regel aus Kostengründen nicht zum Tierarzt gebracht (die meisten Menschen und Tierärzte in Griechenland weigern sich aus religiösen Gründen die Tiere einzuschläfern, da nur Gott über Leben und Tod entscheiden darf.), sondern „der Natur übergeben“. Viele Griechen sehen darin eine gute Tat - schließlich geben sie den Tieren damit noch eine Überlebenschance.

Der Unterschied zwischen einem ausgesetzten und einem wilden Streunertier ist bei genauerem Beobachten relativ gut erkennbar:

  • Welpen, die in menschlicher Umgebung aufgezogen wurden, sind zutraulicher und gehen auf den Menschen zu (sofern sie gut behandelt wurden!).
  • Die ausgesetzten Streuner haben häufig noch Halsbänder oder andere Identifikationsmerkmale.
  • Unter den ausgesetzten Streunern findet man viele Kreuzungen zweier Rassen, da die Zucht bestimmter Katzen- oder Hunderassen auf Kreta sehr beliebt ist. 

 Streuner Info

Weitere ausführliche Informationen zum Thema Streuner finden Sie als Artikel und zum Download auf der Webseite des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V.:
"Tierschutz-Tipps für Kreta-Reisende - Ein Streuner-Ratgeber für tierfreundliche Urlauber" 

Das TUI-Umweltmanagement stellt seinen Gästen diese Broschüre ebenfalls seit Jahren zur Verfügung.

Aufklärung

Eine Chance, die Problemsituation für die Einheimischen, Touristen und ganz besonders für die Tiere zum Positiven hin zu verändern, liegt in Aufklärungsaktionen.

Grundlegende Einführung in die Fortpflanzungsbiologie: Eine Hündin kann zweimal im Jahr Welpen austragen und dabei über 20 Nachkommen im Jahr produzieren. Es gibt wissenschaftliche Hochrechnungen, dass eine Katze inklusive ihrer Nachkommenschaft in sieben Jahren theoretisch 400.000 Welpen produzieren kann.

Trächtig

Richtigstellung und sachliche Information über Krankheiten: Viele Menschen in Griechenland lernen schon als Kinder, dass die Streuner gefährliche Krankheitsüberträger für Menschen sind. Dieser Punkt muss dringend relativiert werden. Richtig ist, dass die meisten Krankheiten und Parasiten, die einen Streuner befallen können, für den Menschen nicht annähernd die Gefahr darstellen, wie es auch heute immer noch verbreitet wird.

Vergiftungsaktionen sind kontraproduktiv: Untersuchungen haben gezeigt, dass die Tierpopulationen nach Vergiftungskampagnen wieder drastisch ansteigen.

10 und mehr Welpen pro Wurf sind nach Vergiftungsaktionen keine Seltenheit

Information über die Nachteile für den Tourismus: Für Touristen ist das an vielen Stellen auf Kreta immer sichtbarer werdende Tierelend ein Problem. Sie sind von dem Anblick der im Elend lebenden Tiere schockiert und werden als Urlauber nicht wiederkommen. Das nehmen auch die vielen Tourismusunternehmen wahr.

Ein total verängstigter Kettenhund kurz vor dem Ortsschild eines beliebten Touristenortes

 Grundstein für den Tierschutzgedanken

In vielen Teilen Europas werden Tiere als Nutztiere behandelt und gehandelt. Informationen beispielsweise über das Sozialverhalten der Tiere und Tierschutzaktivitäten allgemein sind aber äußerst selten zu finden. Der Gedanke des Tierschutzes setzt Kenntnisse über die Bedürfnisse und artgerechte Haltung der Tiere voraus. 

Wir kombinieren daher unsere Kastrationsaktionen mit Informations- und Aufklärungskampagnen, um so einen wichtigen Grundstein für den Tierschutzgedanken zu legen:

  • Vermittlung von Grundkenntnissen über das Sozialverhalten, die Pflege und artgerechte Haltung von Haustieren. Hunde und Katzen sind Rudeltiere und sozial aktiv.
  • Kindern und Erwachsenen wird in Broschüren erklärt, dass Katzen und Hunde Gefühle haben, Schmerzen, Freude oder Angst empfinden können und unter Durst und Hunger ähnlich leiden wie die Menschen.

  • Tierschutzaktivitäten wie Kastrationsaktionen von Streunertieren sind sehr wohl mit religiösen und moralischen Werten vereinbar.
  • Tier- und Umweltschutz geschieht nah beieinander. Wir demonstrieren, dass der rücksichtsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen und nichtmenschlichen Lebenswesen Bestandteil einer verantwortungsvoll und fortschrittlich denkenden Gesellschaft ist.
  • Durch die Pressearbeit mit TV, Zeitungen und ortstypischen Presseverteilern stellen wir unsere Konzept der Öffentlichkeit vor.
  • Unsere Kooperationen mit Hotels und Reiseveranstaltern zeigen, dass praktizierter Tierschutz für den Tourismus förderlich ist.

Im Schulunterricht, in Aufklärungskampagnen und in der rigorosen Durchsetzung bestehender EU- und nationaler Tierschutzgesetze könnte der Tierschutz etabliert werden und würde zu einer Änderung der katastrophalen Situation für die Tiere in vielen Ländern Südeuropas führen.

Praktischer Tierschutz: Kastrationsaktionen

Man unterscheidet die flächendeckenden und punktuellen Kastrationsaktionen. In vielen Regionen Südeuropas kann man sich auf Grund der geografischen Gegebenheiten, der großen Streunerzahlen und der langen Wege, die die Tiere auf der Suche nach Nahrung zurücklegen, nicht auf ein System beschränken. Daher werden beide Formen der Aktionen häufig miteinander verzahnt.

Woher kommen die Tiere und wie werden sie gefangen?

Straßentiere leben meistens im Rudel oder laufen auf der Suche nach Nahrung durch die Ortschaften. In touristisch belebten Regionen ist der Andrang von Straßentieren besonders hoch, da das Nahrungsangebot hier am größten ist.

Tierschutzpartner

Unterstützt von nationalen und internationalen Tierschutzvereinen sind in Südeuropa einige Tierschutzvereine, private Tierschützer, Tierärzte und Helfer zur Verbesserung der Situation für die Streunertiere aktiv. Die Kooperationspartner vor Ort kennen die Stellen, an denen die meisten Vierbeiner leben meistens am besten.

Der gute Draht zur Bevölkerung hilft bei der Organisation von Kastrationsaktionen immens. Oft werden die Tierschützer auch von der Bevölkerung angerufen oder Stadtverwaltungeb bittet um Hilfe.

Das Einfangen

Katzen werden in Fallen gefangen, angelockt durch lecker duftende Köder. Hunde werden an immer gleichen Stellen angefüttert und gewöhnen sich so an die vor Ort arbeitenden Tierschützer. Nach einer gewissen Zeit finden sie Zutrauen und lassen sich anleinen. Sind die Tiere zu scheu, kommt ein Blasrohr zum Einsatz, welches die Tiere aus sicherer Entfernung betäubt. Dafür werden extra Helfer eingesetzt, die das betäubte Tier verfolgen und es dann aufnehmen.

Der Eingriff/Die Kastration

Die Tiere werden mit einer Injektion sediert. Ein kleiner Pieks, den die meisten kaum merken. Viel beachtenswerter ist der Stress, den scheue Tiere durch das Anfassen, die komisch riechende Umgebung und die fremden Menschen erleiden. Aus diesem Grund geschieht die Sedierung unmittelbar nach Ankunft der Tiere und die Tierärzte halten die „Wartezeiten“ so gering wie möglich.

Die Tierschützer kümmern sich um die Tiere vor und nach der Kastration

 

Anschließend erfolgt die eigentliche Narkose. Durch das Legen eines Venenverweilkatheters hat der Tierarzt jederzeit sofortigen Zugang zum Herz-Kreislaufsystem und kann bei evtl. auftretenden Komplikationen sofort eingreifen. Ab jetzt wird zügig gearbeitet. Jeder Handgriff sitzt. Der Bauch wird rasiert, desinfiziert, das sterile OP-Tuch deckt das Operationsfeld sauber ab, das Skalpell eröffnet den Bauch der Hündin. Der Schnitt ist in der Regel nicht länger als 3 - 4 cm und die Finger des Chirurgen suchen in der Bauchhöhle die Gebärmutter. Diese wird zusammen mit den Eierstöcken herausgelagert, mit Klemmen gegen Blutungen fixiert, abgebunden und letztendlich abgetrennt. In Fachkreisen heißt dies Ovariohysterektomie.

Sind Gebärmutter und Eierstöcke entfernt, wird erst die Muskelschicht, anschließend die Unterhaut und zu guter Letzt die Haut zugenäht. Medikamente in Form von einer Langzeitantibiose und eines Schmerzmittels geben dem Tier in den nächsten Tagen Schutz vor Entzündungen und Schmerzen.

Aluspray zur Wundabdeckung und ein Pflaster beenden die Operation. Seit der Rasur sind jetzt 20 Minuten vergangen.

Für die Tierärzte ist aber noch kein Ende in Sicht. Jetzt werden noch die Ohren kontrolliert, die Zähne vom Zahnstein befreit, eine Ekto- und Endoparasitenbehandlung (Flöhe, Würmer, etc.) durchgeführt, und evtl. noch kleinere Operationen wie z. B. die Entfernung der Wolfskrallen vorgenommen.

"Zahnbehandlung" nach der Kastration

Erst danach wird der Hund an einen ruhigen warmen Platz gelegt und vom Hilfspersonal so lange beobachtet, bis er wieder laufen kann. Je nach Verlauf der Operation bleibt das Tier 3 - 5 Tage zur Beobachtung in der Obhut der Pfleger und Tierärzte und kann nach letztendlicher Kontrolle im Anschluss wieder auf die Straße gelassen werden. Die benutzten Fäden lösen sich nach einigen Wochen von selbst auf.

Kastrationsnarbe bei einer Hündin

Katzen werden schon nach einem Tag wieder entlassen. Der Eingriff verläuft hier noch schneller und der Operationsschnitt ist max. 1 cm lang, da nur die Eierstöcke entfernt werden. Um die Tiere später wieder zu erkennen und sie nicht noch einmal in Narkose legen zu müssen, werden den Katzen und Katern ein Dreieck aus dem Ohr geschnitten. Hunde werden im Ohr und/oder unter dem Bauch tätowiert und tragen ein Halsband, das sie als kastriert kennzeichnet.

Die typische Ecke im Ohr

Kastrationen: Vorteile

Nach einer Kastration leben die Tiere wesentlich sicherer! Die Gründe: Auf der Suche nach einer rolligen Katze oder einer läufigen Hündin legen die männlichen Vierbeiner oft erstaunliche Strecken zurück. In dem Moment, in dem der Geruch einer läufigen Hündin in ihrer Nase ist, vergessen sie die erlernte Vorsicht im Straßenverkehr nahezu vollkommen. Diese Verhaltensweisen verschwinden nach einer Kastration.

Eine Hündin bleibt nach einer Kastration länger gesund und wird dadurch mehr Chancen zum Überleben haben, da die große Gefahr, an Brustkrebs oder Gebärmuttervereiterung zu erkranken, durch die Kastration erheblich gemindert wird. Unkastrierte Streunerhündinnen und -katzen auf Kreta werden mit großer Wahrscheinlichkeit bei jeder Läufigkeit belegt und tragen Welpen aus. Je nach Anzahl der Welpen ist die Trächtigkeit eine extreme Belastung für das ohnehin schon ausgemergelte Muttertier.

Eine Kastration schaltet das Risiko und die Schmerzen aus, die jede Geburt für eine Hündin mit sich bringen. Sie verhindert die enormen Belastungen, die durch das Großziehen eines Wurfes entstehen. Die Tierschützer sehen sie jeden Tag: klapperdürre, abgemagerte Hündin mit angeschwollenem und entzündetem Gesäuge. Kastrationen stoppen dieses Elend.
Unkastrierte, weibliche Ketten- und Tonnenhunde (Hunde, die zum Bewachen von Nutztierherden, Feldern oder Gründstücken z. B. an alte Blechtonnen angekettet werden) sind während ihrer Läufigkeit den Rüden schutzlos ausgeliefert und werden oft tagelang von mehreren Rüden umlagert und bedrängt. Aggression und heftige Konkurrenzkämpfe führen unter den Hunden zu schweren Verletzungen. Die während dieser Zeit vielfach gedeckte Hündin muss später an der Kette ihre Welpen gebären. Kastrationen lindern ihr Elend.

Kastrierte Streuner sind in einer weit besseren Konstitution und können ihre Kräfte auf einen gesunden Körper konzentrieren. Die Tiere verlassen kaum noch ihr Revier und Beißereien kommen wesentlich seltener vor.

 

Viele weitere Informationen und ausführliche Berichte von Kastrationsaktionen finden Sie auf der Webseite des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V., unter anderem im Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterTierheim-Tagebuch

Ein Polizeibeamter bringt Welpen, die Touristen im Müll gefunden haben, zu Tierschützern auf Kreta

 

Kastrationen: Nachteile

  • Die OP stellt bei Hündinnen und Katzen einen chirurgischen Eingriff dar und muss bei allen Tieren unter Vollnarkose durchgeführt werden. Trotz der sehr guten tiermedizinischen Ausstattung der Tierschutz-Tierärzte bleibt ein sehr geringes Narkoserisiko.
    Der Vollständigkeit halber werden die folgenden Argumente gegen eine Kastration hier genannt, obwohl sie in Anbetracht der Situation in einigen südeuropäischen Urlaubsländern absurd erscheinen:
  • Bei der Hündin besteht die Möglichkeit der Altersinkontinenz.
  • Durch Hormone beeinflusst, verändert sich der Stoffwechsel und die Tiere könnten bei gleich bleibendem Nahrungsangebot zur Gewichtszunahme neigen. Die Kastration kann in seltenen Fällen auch zu Veränderung des Felles führen.
  • Von einigen Experten wird auch die unnatürlich ausgelöste Verhaltensänderung als Nachteil bewertet. 

Kastrationen um Leben zu retten

Die nachhaltigen positiven Auswirkungen, die sich nach Kastrationsaktionen im Zusammenleben zwischen den Menschen und den Streunern ergeben, zeigen klar, dass die Vorteile überwiegen.  

Kastrationen sind in jedem Sinne vertretbar: Ethisch, moralisch und aus tierschützerischer wie auch aus tiermedizinischer Sicht sind sie dringend angezeigt!

Erfolgreicher Tierschutz und Tourismus

Flächendeckende und auch punktuelle Kastrationsaktionen erweisen sich als enorm wirkungsvoll und erfolgreich. Die Menschen in den Regionen, die Kastrationsaktionen unterstützen, erleben die Vorteile deutlich, z. B. an den Reaktionen der Touristen, die sich über wohlgenährte und gepflegte Tiere in den Urlaubsgebieten freuen. Und auch die Tiere führen ein sichtbar angenehmeres und gesünderes Leben. Ein weiterer Fortschritt: Tierschützern und -freunden bleibt der Anblick vergifteter und misshandelter Tiere erspart.


Ein schöner Anblick: Wohl genährt, gepflegt und sichtlich zufrieden!

Sympathiebonus

Für Reiseveranstalter und Hotelbesitzer, die uns bei den Kastrationskampagnen tatkräftig unterstützen, ergibt sich ein deutlicher Sympathiebonus bei den tierfreundlichen Touristen aus Deutschland und anderen Ländern! Immer öfter greifen Hotelmanager lieber zum Telefon als zur Giftdose, wenn in einer Hotelanlage zu viele Katzen am Buffet ihr Unwesen treiben. In diesem Fall reisen unsere Tierärzte an und führen in Zusammenarbeit mit dem Hotelpersonal und örtlichen Tierfreunden eine Kastrationskampagne durch.

Dass diese Aktionen ein breites und begeistertes Ansehen bei den Touristen und selbst bei den Kindern genießen, liegt im Interesse der Tierschützer und ganz sicher auch in dem der Reiseveranstalter. Wenn nicht alle Tiere in der Hotelanlage gewünscht sind, bleibt nur ein kleiner Stamm von kastrierten Katzen zurück. Alle Tiere werden zudem noch entwurmt und gekennzeichnet. Überzählige Tiere werden in abgelegenen und kontrollierten Regionen ausgesetzt.

 

Auch das weitere Konzept wird mit den Hotelmanagern und Reiseveranstaltern gemeinsam geplant und besprochen. Die Tierschützer geben Tipps: Zum Beispiel sollten die Tiere kurz vor der Eröffnung des Buffets in weiter Ferne gefüttert werden, denn dann sinkt ihr Interesse, am Tisch nach Futter zu betteln. Da es immer wieder zu Neuzugängen oder Abwanderungen in der Population der Tiere kommt, wird mindestens zweimal im Jahr nachkontrolliert.

 

Tierärzte

Für den effektiven Tierschutz spielen Tierärzte eine immer wichtigere Rolle. Der Einsatz ausländischer Tierärzte ist in EU-Ländern an eine Richtlinie gebunden. Danach kann einem Arzt die Arbeit nicht verweigert werden. Trotzdem werden uns aber immer wieder Steine in den Weg gelegt: Papiere und Genehmigungen werden verzögert, während weiterhin tausende von Welpen einen grausamen Tod sterben. Von vielen Einheimischen gewünscht und von ortsansässigen Tierärzten um Kooperation gefragt, arbeiteten die Tierschutz-Tierärzte in einigen Ländern so leider immer noch am Rande der Legalität.

Daher liegt einer der Schwerpunkte unserer Aufklärungsarbeit in der Information und Überzeugung der griechischen Tierärzte, dass Ihnen die Tierschutz-Tierärzte keine Arbeit und kein Geld wegnehmen.

Denn es gibt keine Straßentiere, die das Geld zur eigenen Kastration mitbringen!

 

 

creative common lizenzDieser Artikel ist samt Fotos unter einer Creative Common Lizenz veröffentlicht und lizensiert.

Kommentare

Peter, 26-10-08 10:31:
Fantastisch!
Wir fahren seit 1989 nach Griechenland auf Urlaub, und sind durch Zufall 2005 in den "Auslandstierschutz" geraten. Wir haben endlich Möglichkeiten gefunden um im kleinen Rahmen unserer Möglichkeiten ein paar armen Tieren helfen zu können, nachdem wir viele Jahre die furchtbaren Zustände in Griechenland erleben mussten.
Ich muss hier auch sagen, dass wir grossteils mit Spanien zusammenarbeiten, da eine Zusammenarbeit mit Griechenland schwierig, bis teilweise fast unmöglich, oder nur mit hohem finanziellem Aufwand möglich ist.
Daher finde ich es bemerkenswert, wie Thomas Busch und seine Mitstreiter Möglichkeiten ergreifen und Ideen haben, um hier Probleme wirklich an der Wurzel zu packen. Und das nicht nur mit Griechenland.

Ganz tolle Arbeit. Macht bitte weiter so.
Ich weiss auch, wieviel Arbeit da dahinter steckt.

liebe Grüsse aus Innsbruck Peter Kahr
Obmann TirolerTierEngel e.V.
Anja, 19-11-08 20:07:
Hallo Ihr lieben,

wollte mal wieder Hallo sagen. Wir haben vor 5 Jahren unseren Buddy bei Euch abgeholt. Und sind überglücklich mit unserem Schatz. Auch wenn er nicht ganz gesund ist, schenk er uns jeden Tag so viel Liebe und Fröhlichkeit das wir immer nur dankbar sind Ihn zu haben. Für euch drücke ich weiterhin ganz fest die Daumen das auch Griechenland eure Arbeit endlichj mal unterstützt.
Ganz liebe Grüße von uns.
Familie Hübner mit Buddy
Petra, 26-03-09 16:59:
Hallo Hundefreunde,

mein Mann und ich haben seit 10 Tagen eine 6monatige Hündin aus einer griechischen Tierschutzorganisation, die uns euch und euren Artikel zu ängstlichen Hunden empfohlen haben. Toller Artikel, sollten alle Hundebesitzer lesen - auch wenn der eigene Hund nicht ängstlich ist. Man versteht bei Begegnungen mit anderen Hunden/Hundebesitzern einfach besser, wenn einem ein ängstlicherer Hund gegenüber steht. Und Verständnis entlastet fremden Hund und fremde Herrchen/Frauchen. Toll, dass es nicht nur tierliebe, sondern auch tiersachkundige Menschen gibt wie euch! Lieber Grüße
Petra, Benjamin + Welpe Ella
Astrid, 03-09-09 21:37:
D A N K E.
Robert, 08-04-10 17:32:
Hallo ihr,
wir haben Ella 2005 aus dem Tierheim Bad Oldesloe bekommen. Sie ist ein Mix aus Kretischem Jagdhund und Collie. Collies sind ja schon so schreckhaft, aber sie zeigt zusätzlich alle natürlichen Ängste, die unsere deutschen Hunde bereits lange verlernt haben. Im Zweifel geht man dem gefährlichen Objekt (z.B. eine Plastiktüte in einer Hecke) aus dem Weg oder läuft weg. Wichtig ist, dass man den Hund nicht versucht zu Etwas zu zwingen. Grade bei Hunden, die ein wenig selbstständig gewesen sind, kann das nach hinten losgehen!
Viel Verständnis und Geduld müssen aufgebracht werden.
Aber dadurch habe ich jetzt einen "ungebrochenen" Hund mit einem immer noch sehr eigenen Kopf.
Ich habe mich mit ihr auf bestimmte "Absprachen" geeinigt und sie weiß mittlerweile, wie weit sie gehen darf und ich weiß, dass sie ab und zu mal über die Stränge schlagen muss!
Ich wünsche jedem Halter eines Kretahundes viel Spaß mit seinem Vierbeiner.
MFG
R
Sue, 13-06-10 03:24:
Hallo Ihr Lieben Streuer-Freunde!
wir alle zusammen MÜSSEN etwas Gutes für die Steuner erreichen.
Lasst uns Botschaften, Konsulate, Ferienbetriebe, Fähr- und Flugunternehmen,etc. daraufhin anschreiben.
Viele, viele Betriebe leben schlicht vom Tourismus - und (so hoffe ich) wir alle, die potentielle Touristen sind, können etwas ... müssen etwas bewegen!
1000 Dank und LG Sue
Nadja, 06-08-10 17:23:
Hallo liebe Kreta-und Tierliebhaber!
Eine Freundin und ich sind heute aus Kreta zurückgekehrt und haben ein sehr ambivalentes Gefühl dieser Insel gegenüber! Einerseits sind die Menschen auf Kreta wahnsinnig herzlich, gastfreundlich und liebenswert und andererseits quälen sie ihre Hunde und Katzen teils auf bestialische Weise!!! Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack!! In Anbetracht des Tierleids auf Kreta, haben wir uns am 03.08. auch für eine Flugpatenschaft entschieden und sind heute mit 3 Hunden nach Stuttgart zurückgeflogen!! Frau Schmid hat alles einwandfrei von Deutschland aus organisiert und es war überhaupt kein Problem, die süßen Vierbeiner nach Deutschland mitzunehmen!! Frau Gies hat auch schon bereits im Terminal in Stuttgart auf uns gewartet und hat die 3 Freunde entgegen genommen!!!
Also liebe Tierfreunde, wenn ihr nächstes Mal irgendwo im Süden Urlaub macht, dann meldet euch als Flugpaten!!! Fast überall in Europa und in der Türkei gibt es Organisationen, die armen, gequälten Hunde-und Katzenseelen helfen, auszureisen!! Habt Mut und redet nicht nur :-)!!!
Lieben Dank nochmal für die gute Kooperation Frau Schmid!!!
Herzliche Grüße,
Nadja aus Stuggi
Nadja, 10-08-10 11:14:
Unser ganz besonderer Dank gilt Fam. Hochuli!! Sie haben sich auf wunderbare Weise einer Hündin angenommen, die wir halb verhungert in den Bergen Kretas gefunden haben!!
Die beiden waren uns eine ganz große und liebe Hilfe!!!
Tausend Dank nochmal!!
Liebe Grüße aus Stuttgart!
Nadja Jurk

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