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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 18. Mai 2012

Patenschaften

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So kurz vor den Feiertagen, habe ich mir gedacht, dass ich unseren treuen Lesern, Ihnen und den Paten des Kettenhund-Projektes noch eine kurze Zwischenbilanz schuldig bin.

Wie schon von uns erwartet, wurden auch in diesem Jahr wieder einige Hunde entdeckt, die neu in das Kettenhund-Projekt aufgenommen wurden sind und nun ebenfalls durch regelmäßige Kontrollbesuche versorgt werden. Alleine in diesem Sommer habe ich 43 neue Hunde kennen gelernt, die nach und nach auf unserer Patenschaftseite zu sehen sein werden.

Wir mussten uns leider von einigen Kettenhunden (darunter auch „Bine“) verabschieden, die das lange  Leben an der Kette hinter sich gebracht haben. Wir haben aber auch einige Freudentränen über die Befreiung von der Kette vergießen dürfen, hier hatten unter anderem „Georgie“, „Bernie“ und „Assilo“ das große Glück die Reise in ein besseres Leben antreten zu dürfen.

 

Georgie, Bernie und Assilo

Leider halten viele Bauern und Hundebesitzer auf Kreta weiterhin daran fest, ihre Hunde nicht kastrieren zu lassen, freie Kastrationsangebote werden nach wie vor abgeschlagen, so dass auch in diesem Jahr einige Kettenhunde unter großer Belastung ihren Nachwuchs durch den heißen Sommer und den kalten Winter bringen müssen. Diese anstrengende Zeit zehrt sehr an den Tieren, die sich meistens von Abfällen ernähren oder teilweise immer mal wieder ein paar Tage ganz ohne Futter auskommen müssen.

Die Tierschützer vor Ort versuchen darauf zu achten, dass gerade diese Tiere zugefüttert werden. Doch bei der großen Anzahl der zu betreuenden Tieren ist dieser Job nicht immer einfach!

Tija, die wir im Sommer neu an einem uns bekannten Stall entdeckt haben, war zu der Zeit schon recht dünn, in einem Bericht einer engagierten Schweizerin las ich vor ein paar Wochen, dass sie Welpen bekommen hat, klapper dürr sei und von den Tierschützern liebevoll aufgepäppelt werden musste.

Dieses Beispiel ist leider kein seltener Fall, auch an anderen Kettenhundstellen, wo meist mehrere Hunde leben, trifft man auf Welpen!
Ein Happy-End-Ereignis habe ich diesbezüglich allerdings doch:
Spirtha, eine unserer Senioren-Kettenhunde, hatte dieses Jahr ebenfalls wieder Welpen. Die gute Nachricht hieran ist, dass Brigitte es dieses Mal geschafft hat den Besitzer davon zu überzeugen sie kastrieren zu lassen, da sie immer überfordert ist mit dieser Situation.

Bei dem nächsten Besuch unserer Tierärzte war Spirtha einer der ersten Kandidaten, die ihre Operation trotz festgestellten Herzfehlers gut überstanden hat und nun ihren Lebensabend in aller Ruhe genießen darf.
Wir hoffen, dass weitere Kettenhund-Besitzer diesem guten Beispiel folgen werden und dadurch das Tierelend weiter eingedämmt werden kann!

Ebenfalls sehr erfreulich ist, dass in diesem Jahr 14 neue Hundehütten aufgestellt wurden sind, die durch speziell ausgezeichnete „Hundehüttenbau“-Spenden finanziert wurden sind, so dass nun insgesamt schon 64 Hütten von den Tierschützern aufgebaut und aufgestellt wurden sind.

An dieser Stelle ist noch einmal ein großes Lob an die Tierfreunde vor Ort nötig, die wirklich eine tolle Arbeit leisten und ohne die viele Missstände nicht aufgedeckt und verändert worden wären. Dank den Tierschützern und den treuen Spendern wird momentan 100 Fällen von Kettenhunden ein angenehmeres Leben ermöglicht!

Kurz bevor die nächste Kastrationsaktion in der Region Finikas losging, hat Brigitte Scheichel es noch geschafft, diesen tollen Bericht zu verfassen. Den Bericht möchte ich Ihnen liebe Tierfreunde, Spender und Paten natürlich nicht vorenthalten, denn erst durch Ihre Unterstützung ist es den Tierschützern vor Ort möglich Cheyenne und all die anderen Kettenhunde zu versorgen.

Cheyenne:



Einer von 100 Stall- und Wegehunden in unserem Verein ist CHEYENNE.
Ein riesengroßer, schwerer, weißer Hund, an den ich mich länger nicht nah herangetraut habe. Seine meist etwas rötlich wirkenden Augen, die imposante Größe... waren eher furchteinflößend. Mit der Zeit erkannte ich meine Fehleinschätzung, denn er zeigte mir vertrauensvoll nach und nach seinen wahren Charakter. CHEYENNE war zurückhaltend, abwartend, aber als ich mich traute, ihn ohne Angst zu berühren, blühte er auf und genoss die Streicheleinheiten. Legte sich auf den Rücken, guckte mir tief in die Augen und ich hatte auf einen Schlag einen anderen Hund vor mir.
Es schmerzt, dass dieser zutiefst freundliche Hund in so einem Körper feststeckt, der ALLE auf Abstand gehen lässt (mehrfach beobachtet)... Zudem gehört er einem Bauern, der nicht einmal in der Lage ist, ihm regelmäßig Wasser, geschweige denn Futter hinzustellen. Neuerdings hat er einen Angestellten aus Pakistan, der diese Arbeiten verrichten soll. Auf diesen Mann komme ich gleich noch zurück....

Was können wir für diesen Hund tun? Es scheint nicht viel, aber ich sage immer, wir geben diesen Hunden eine Stimme. Unzählige Male war ich beim Besitzer, CHEYENNE braucht eine Hütte, CHEYENNE hat einen Abszess am Hals (bitte schauen Sie auf die Fotos... es hat niemand bemerkt... was eigentlich unmöglich erscheint bei der Größe...), CHEYENNE hat ein Problem mit den Haaren, CHEYENNE braucht ein anderes Halsband, weil das alte ihm den Hals einschnürt, CHEYENNE hat blutige Ohren von den Attacken der vielen Fliegen und braucht eine tagelange Behandlung, bis alles verheilt ist und, und, und..... Dass er alle 3 Monate Wurm- und Flohmittel von uns bekommt, gehört schon zum Selbstverständlichen.

Wer die Therapien macht und die Behandlungen bezahlt? Dreimal dürfen Sie raten.... Dumm nur, dass er so abseits liegt. Es sind immer eine ½ Stunde Fahrt von uns...

An unserem sommerlichen Schreck in diesem Fall, möchte ich Sie hier jetzt aber auch noch teilnehmen lassen. Carina, unsere Praktikantin und ich fuhren dorthin, da CHEYENNE besagten Abszess hatte und wir die Erlaubnis des Besitzers hatten, ihn operieren zu lassen. Ein anderer Stallhund wurde gleich dazu ins Auto verladen, denn ein Auge musste herausoperiert werden (er hätte einen kleinen Unfall gehabt, so der Besitzer...).



Beim Wegfahren kam der Mann aus Pakistan und redete auf uns ein. Wir verstanden ihn nicht und er uns nicht. Er spricht kein Griechisch, wir kein Pakistanisch. Dauernd ging er zur Autotür und wollte die Hunde raus lassen. Da wurde ich böse und zeigte ihm sehr deutlich, dass er dies tunlichst sein zu lassen hat. Die Hunde blieben im Auto. Mir war schon klar, dass er nicht wusste, dass der Besitzer eingewilligt hatte und uns nicht kannte und Angst vor möglichen Konsequenzen hatte.
Ein Versuch über Handy den Besitzer anzurufen scheiterte, da unser Akku leer war. Was dann geschah??? Wir trauten unseren Augen nicht. Er machte das Eingangstor zu und stellte sich davor. Meine lieben Leute, manchmal brauchen wir mehr Nerven, als wir vom lieben Gott zur Verfügung gestellt bekommen haben. Aber, so rede ich mit mir im Stillen, „Brigitte, halt jetzt bloß dein Niveau, sonst geht es allen schlecht hinterher.“ O.K. Ich schaffe es, Steffi zu erreichen, sie soll versuchen, den Besitzer anzurufen und unsere missliche Lage erläutern. Dazu kam, dass wir absoluten Zeitdruck hatten, denn all dies lief an einem Kastrationstag. Wer mal dabei war, kann sich unseren Druck gut vorstellen.

Am Ende dann die Erlösung, der gute Mann bekommt verbale Schimpfe vom Besitzer, wir fahren lächelnd an ihm vorbei, die Wut und der Schreck sind verflogen und die Hunde bekommen die ihnen zustehende Behandlung.
Leider musste der Abszess nochmal geöffnet werden, obwohl Verbandswechsel und Antibiotika-Therapie erfolgten. Aber bei der dreckigen Umgebung und Haltung der Hunde kein Wunder.
Nach Wochenlanger Betreuung dann der gute Schluss. Der Abszess ist ausgeheilt, das Auge des anderen Hundes entfernt und auch hier alles gut verheilt.

Vor zwei Wochen jetzt die Feststellung, dass CHEYENNE Haare verliert. Futtermittelallergie? Schilddrüse? Parasiten? Ich werde ihn zu Ines und Thomas bringen, wenn sie kommen und abklären, was wir als nächstes für ihn tun können....

Zumindest wird uns dort nicht mehr das Tor vor der Nase zugemacht. Wir geben uns ja mit kleinen Veränderungen schon zufrieden.....

Bilder und Text: Brigitte Scheichel

Wir wünschen ein frohes und erholsames Weihnachtsfest und alles Gute für  das kommende Jahr 2011!

Ihre Carina Bercht