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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 3. September 2010

Newsarchiv

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Diese Seite zeigt einen Newsbeitrag der alten Webseite, daher wird er auch mit grünem Hintergrund dargestellt. Diese Rubrik wird nicht gepflegt oder aktualisiert. Aktuelle Newsmeldungen finden Sie in unserem News-Blog.

Datum der News:2007-10-21

\'\'Vier Wochen Kreta sind nicht genug!\'\'

"In diesen Sommerferien ging für mich ein großer Wunsch in Erfüllung. Endlich durfte ich wieder nach Kreta fliegen, aber dieses Mal nicht nur für drei Tage und nicht um Urlaub zu machen..."
Carina Bercht berichtet von ihrem Tierschutz-Praktikum auf Kreta

Griechenland ist für mich ein geteiltes Land. Zum einen die wunderschöne Landschaft mit der wunderschönen Bergwelt, die abgelegenen Küsten und Buchten, abseits von Hotels und Tourismusorten, dort wo das Wasser so klar ist, dass man die bunten Fischschwärme bis auf den Grund beobachten kann. Die abgelegene Finka, dort zu leben, wo man jeden Morgen einen wunderschönen Ausblick auf eine traumhafte Landschaft hat, die ich aber nicht genießen kann wenn ich jeden Tag das Tierelend auf den Straßen sehen muss.

Denn das ist die andere Seite von Griechenland. Die Mentalität und die Einstellung der Einheimischen, vor allem wie man dort mit Tieren umgeht - einfach nur grausam.

Wenn ich in die Berge fahre, tue ich es um die vielen Tonnenhunde mit dem Nötigsten zu versorgen und wenn ich durch die Straßen von Kreta fahre, sehe ich nach links und rechts ob ein verletztes Tier am Straßenrand liegt und Hilfe braucht, aus welchem Grund auch immer. Direkt vor Ort den Tieren zu helfen und das für einen längeren Zeitraum, dass wollte ich unbedingt.


Also habe ich erst einmal mit Thomas über mein Vorhaben gesprochen. Er überlegte kurz, organisierte den Futtertransport und dann stand auch für mich der Termin fest. Es sollte zu drei engagierten Tierschützern gehen, die ich natürlich schon aus vielen Berichten, auf verschiedenen Internetseiten kannte. Jürgen, Marita und Brigitte!

Bevor ich in den Flieger nach Kreta steigen durfte, musste erst einmal der 40-Tonner mit Futter beladen werden. Zu dritt ( Frieda, Thomas und ich ) haben wir uns in Lübeck getroffen um alles Futter, das nicht niet- und nagelfest war, im LKW zu verstauen. Außerdem kamen noch etliche Flugboxen, Näpfe, Leinen, Halsbänder, Pflegeartikel, etc. mit dazu.

Ein paar Paletten mussten in Lübeck bleiben, denn der LKW war bis aufs erlaubte Gramm gefüllt. Gigantisch, diese Mengen Futter und ich hoffte insgeheim, dass von diesem Futter möglichst lange, viele hungrige Bäuche gefüllt werden!

Frieda startete mit dem LKW vier Tage vor uns. Als Thomas und ich am Freitag den 13. (!) die Flughalle in Hamburg etwas verspätet betraten, war der Schalter geschlossen und der Flieger bis auf einen Platz auch schon voll. Na klasse, dass war es dann ja wohl mit meinem Traum, endlich wieder nach Kreta zu kommen. Thomas war die Ruhe selbst, und nach kurzer Zeit fand die Fluggesellschaft zwei Damen, die netter Weise den überbuchten Flieger verließen um dann eine Maschine später noch einmal ein zu checken. Puh, dass ist ja noch einmal gut gegangen, dann können wir Frieda doch pünktlich am Hafen von Heraklion empfangen.

Kreta ich komme!

Die griechische Sonne heißt uns in Heraklion willkommen. Den Nachmittag möchte Thomas mit Verena verbringen, die uns am Flughafen abholte und uns gleich zu einem Rundgang auf ihrem neuen Gelände einlädt.


Ab jetzt sollen alle Tiere von ihr hier untergebracht werden. Das Gelände ist riesig und wunderschön, vor allem ist es sehr gut für die Hunde geeignet, weil die Gegend rund um das Gelände kaum bewohnt ist.

Während des Rundgangs fiel mir ein sehr ängstlicher, kleiner ca. 2- jähriger Mischlingsrüde auf, sein Name ist Mischa! Er belegt einen ganzen Auslauf und er wird wohl viel Zeit brauchen um seine Scheu vor Menschen zu verlieren.

Ich habe da so einen Gedanken… aber da komme ich später noch einmal drauf zurück.

Am nächsten Morgen ist Frieda überpünktlich. Alles hat prima geklappt, er ist gut durchgekommen.
Viel habe ich schon über die Futtertransporte gelesen, aber die Dimensionen mit eigenen Augen zu sehen, ist etwas ganz anderes. Ich glaube, es gibt nirgendwo im Tierschutz einen Verein, der es schafft, 100 Tonnen Tierfutter jährlich zu organisieren und über so eine weite Strecke zu transportieren. Heute werde ich leibhaftig dabei sein. Ein bisschen Nervosität mischt sich unter meine Neugier.

Unsere erste Station war Malia. Vor dem Tierheim „The Haven“ von Gayner , warten schon alle Tierschützer des Osten sehnsüchtig auf das gespendete Futter.

Ich habe meinen Augen kaum getraut, wie viele Tierschützer es sind. Als die ersten Bigpacks Katzenfutter ausgeladen waren, ergab sich mir ein faszinierendes Schauspiel. Von allen Seiten strömten die Leute, wie Ameisen, mit ihren kleineren Säcken, Kabelbindern und Messern auf die Säcke zu und in Null Komma nix waren sie gelehrt und die Lager der Tierschützer erst einmal wieder gefüllt.

Ein, im Gebüsch sitzender Hund verfolgte das Schauspiel mit großen Augen. Wir versuchten den verschüchterten Streuner mit Futter und einer streichelnden Hand einzufangen, doch ohne Erfolg. Thomas hatte mehr Glück. Mit seiner ruhigen Art und Weise hatte er den Kleinen nach wenigen Minuten auf seinem Arm. Jetzt erst stellten wir fest, warum man ihn bei Gayner ausgesetzt hatte. Er konnte seine Hinterbeine nicht mehr bewegen. Natürlich nahm Gayner ihn bei sich auf, um am Nachmittag ein Röntgenbild von ihm machen zu lassen.

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Auf dem Rundgang durch ihr kleines Tierheim viel mir gleich ein weiterer super süßer und freundlicher Collieopa auf.

Ich mit meinen Colliefeibel, hätte ihn am liebsten gleich mitgenommen, damit er sich in Deutschland von seiner Räude erholen kann und noch ein schönes Zuhause für seinen Lebensabend findet.

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Ein anderer Hund wird mir wohl auch noch länger in Erinnerung bleiben, ein schokobrauner großer Mischling, der meinem geliebten Wando (ein ehemaliger Pflegehund und Lebensfunke-Patienten) sehr ähnelte! Er hatte genau die gleichen Augen, der Blick traf mich direkt ins Herz und ich musste ihn erst einmal ordentlich durchknuddeln bevor ich weiter gehen konnte.

Nachdem wir alles gesehen hatten und die Autos der Tierschützer bis unters Dach gefüllt waren ging die Fahrt hoch oben im LKW weiter zu Verena. So langsam erreichte die Sonne auch ihren höchsten Stand und die Arbeit des Ausladens wurde schweißtreibend. Frieda und Thomas schufteten wie Packesel.

Als Verena glückliche Besitzerin von mehreren Hundert Kilo Hundefutter war, ging es anschließend nach Rethymnon, wo Antje und ihre Crew schon gespannt warteten. Auch hier leerten sich die ausgeladenen Big-Packs schnell und auch Flugboxen fanden den Weg zu ihren Besitzern zurück – es waren nicht gerade wenig davon an Board!

Man muss auch verlieren können…

Mittlerweile hatte ich mir die Entleerungsart auf kretische Weise angewöhnt und half tatkräftig mit die Packs zu leeren.

Lange dauerten die Ausladepausen nicht, denn alle machten diesen Job nicht zum ersten Mal und jeder wusste, was ihn erwartete. Die Privatwagen der Tierschützer waren gefüllt, die Gesichter zufriedenen, Friedas Ladeboardwand eingeklappt und weiter ging die Fahrt nach Plakias auf der Südseite der Insel. Auf dem Weg dorthin, lies ich den vergangenen Tagesablauf noch mal im Schnelldurchlauf durch meinen Kopf rattern und genoss noch ein wenig den wunderschönen Anblick einer Schlucht, bevor wir auch schon das nächste Ziel erreichten.

Das also ist Plakias, ein winziges Örtchen in einem wunderschönen Tal gelegen. Thomas hatte Recht. Traumhaft ist noch zu fad. Hier also werde ich die nächsten Wochen verbringen. Meine Nervosität steigerte sich wieder ein bisschen.

Brigitte, Jürgen, Maren, Simone, und viele andere Helfer standen am Straßenrand und winkten, als sie Friedas Ungetüm um die Ecke kommen sahen. Für Frieda und Thomas, war mal wieder die Zeit gekommen, zu zeigen, wie geschickt sie waren, um die dicken Bigpacks aus dem Bauch des LKW herauszuziehen. Aber nach einigen Minuten standen vier dieser 750 kg schweren Säcke, dutzende Flugboxen und andere schöne Dinge am Straßenrand.

Mittlerweile war ich ja schon in Übung gekommen, mit der Technik Futterscharren und Verteilen, so legte ich gleich mit Hand an und auch hier dauerte es nicht all zu lange bis alles verteilt war.

Mehr als zufrieden über unser Tageswerk fuhren wir mit Jürgen und Marita, bei denen ich für 2-3 Wochen leben und helfen durfte, zu ihrer Finka, denn dort waren wir alle zum Abendessen bei einem der besten Köche (Jürgen) eingeladen. Doch nur beim Essen blieb es natürlich nicht, es kamen noch 4 Flaschenwelpen mit ihrer Pflegemutti Efi. Sie päppelt immer mal wieder Hundebabys und nimmt Hunde bei sich auf, wenn Jürgen und Marita mal wieder voll sind. Thomas Arbeit war am heutigen Tag also noch nicht beendet, denn die vier sollten bald nach Deutschland ausreisen und wollten darauf vorbereitet werden.

In der Zwischenzeit guckte ich mir noch Tom, einen 8-jährigen suuuuper süßen blinden Collie an, der ebenfalls bei Jürgen und Marita lebte. Sie legten mir den Hund ans Herz und fragten ob er nicht mit mir nach Deutschland zurückreisen könnte. Als sich Thomas dann am nächsten Tag mit im anfreundete stand die Entscheidung. “ Ja klar, er kommt mit!“

Er kannte kaum etwas und lebte sein ganzes vorheriges Leben an einer Kette, also ein Fall für mich, meine erste Aufgabe im Tierschutzpraktikum, aber dazu komme ich später noch einmal.

Wir haben in Plakias übernachtet und sind am nächsten Morgen weiter gefahren nach Chania.
Wieder lernte ich neue Leute kennen, die mir zwar bekannt vorkamen, wegen der Berichte im Internet, aber sie wahrhaftig zu sehen, war etwas ganz anderes. Gundi und Anna erkannte ich, aber die meisten waren mir unbekannt. Thomas und Frieda übernahmen mal wieder die Schiebearbeiten und das Abladen. Ich kümmerte mich darum, dass die Tonnen gefüllt wurden, mit meiner neuen Technik und ein weinig Hilfe ging alles ganz schnell und alle waren glücklich und zufrieden.

Gundi, kannte ich schon aus vielen Berichten

Abends besuchten wir Gundi und ihre Hunde. Thomas hatte hier einige Dinge zu erledigen. Anna, die mir sehr sympathisch war, übernahm für uns die Fahrdienste. Friedas LKW wäre hier unmöglich hergekommen. Beim Abendessen an einem kleinen Strandhafenrestaurant wurden wir mit herrenlosen Hunden und Katzen konfrontiert, viele lungerten nach Futter, sie kamen zu den Gästen, doch wenn die Bedienung kam oder ein Grieche, dann rannten sie weg.

Die letzte Aktion für diesen Abend war das Befüllen der Fässer mit Futter für Reginas Futtertouren, anschließend fielen wir tot müde ins Bett. Eins ist sicher, so tief und fest wie ich in diesen und den darauf folgenden Nächten meines Praktikums geschlafen habe, habe ich in meinen Ferien noch nie geschlafen.

Mittlerweile war der LKW fast leer, aber nur fast!

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Thomas hatte seine Hilfe in einem Tierheim im Norden Griechenlands zugesagt. Mit Ines, die von Deutschland aus dort bereits eingetroffen war sollten die beiden bei der Verbesserung des Tierschutzes helfen und Verbesserungsvorschläge machen. Die SMS, die er mir später schickte, ließen die Stationen in den Tierherbergen, die vom Förderverein auf Kreta unterstützt wurden, nahezu paradiesisch aussehen.
Er schrieb unter anderem:“ sei froh, dass Du da bist, hier ist es die absolute Hölle!“

Ich blieb auf Kreta und war froh! Kreta war mein Ziel, hier wollte ich arbeiten um Tieren zu helfen. Leid ist relativ, dass war mir schon lange klar.
Andere SMS trafen ebenfalls bei mir ein. Es war super süß, die Dankesgrüße zu lesen, obwohl ich eigentlich gar nicht so viel damit zu tun hatte.
„Wir danken von ganzem Herzen“, war nur ein kleiner Teil der SMS.

Jetzt war der LKW aber endgültig leer! Nur noch ein paar Holzpaletten und meine Tasche füllen den großen Bauch des Aufliegers.

Am Hafen verabschiedete ich mich von Frieda. Sein Auftrag auf Kreta war mehr als erfüllt, er musste zurück nach Deutschland. Noch einmal danke Frieda, es war super nett mit Dir.

Der Futtertransport quer über die Insel war schon ein sehr interessantes Erlebnis, so konnte ich alle Stationen und Tierfreunde kennen lernen und mir einen guten Überblick über ein Teil der Tierschutzarbeit auf Kreta verschaffen.

Nun aber begann also die Zeit meines Tierschutzpraktikums in Plakias auf der Finka von Jürgen und Marita. Ich war sehr gespannt darauf wie hier der Alltag in Verbindung mit dem Tierschutz aussieht und organisiert wird. Wobei ich in den nächsten Wochen feststellen musste das Organisieren nicht alles ist, auch Improvisieren muss man können, denn erstens kommt es immer anders und zweitens als man denkt.

Der Tierschutz bestimmt einen großen Teil des Tages, man muss spontan und flexibel sein und man muss die eigenen Belange zurück stecken können.

Gleich am ersten Tag lernte ich Brigitte kennen, eine sehr nette und engagierte Frau, die mitten im Tierschutzleben steht und von der ich in den nächsten Wochen eine Menge lernen durfte.

Power-Frau Brigitte

Die ersten Tage dachte ich noch, oh, es wird wohl doch eher erholsam werden, denn es waren nur Tom, Simba und eine Mama mit 2 Welpen auf dem Grundstück, die versorgt werden mussten! Ich hatte also genug Zeit mich um Tom zu kümmern, den ich ja schon erwähnt habe.

Simba

Ich hatte mir vorgenommen Tom auf seine Reise nach Deutschland vor zu bereiten. Er ist blind und damit die Umstellung für ihn nicht zu groß wird, sollte er an die Nähe der Menschen gewöhnt werden.

Anfangs mochte er mich gar nicht, wenn ich mich zu ihm setzte stand er auf und ging weg, als ich ihm folgte um ihn weiter zu streicheln, merkte ich sein Desinteresse an mir, er wollte seine Ruhe, er hat gelernt das er nichts von den Menschen zu erwarten hat, außer gelegentlich mal etwas Futter, also was soll das jetzt!?!

Er konnte ja nicht wissen, dass sich sein Leben ab jetzt total verändern sollte und dass er mich nur aus einem einzigen Grund an sich kleben hat.

Doch sein Verhalten änderte sich schnell. Mit viel Geduld und gutem Zureden ließ er jede Belästigung über sich ergehen. Am dritten Tag fing er an es zu genießen, wenn ich in seiner Nähe war. Er wich nicht mehr aus Unsicherheit vor mir zurück, er steht nicht mehr auf um sich an einer anderen Stelle wieder hin zu legen, er zuckte nicht mehr zusammen wenn ich die Bürste durch sein Fell zog und er hob nicht jedes mal den Kopf wenn ich meine Hand auf ihn legte um ihn zu streicheln. Er schloss mich in sein Herz und ich ihn in meines!

Ich fing an ihn an die Leine zu gewöhnen und nach drei Tagen ging er trotz Blindheit perfekt neben mir her, er lernt schnell und ist sehr anhänglich geworden. Wenn Tom meine Stimme hört, besteht er auf eine Begrüßung und wenn er nicht angebunden ist, läuft er mir hinterher und wenn ich mal nicht da bin, knüpft er Kontakte mit anderen Damen des Hauses.

Die Tierschutzarbeit von Marita, Brigitte und Jürgen ist ein wenig anders als die der anderen Stationen. Hier werden die Tiere nicht nur von der Straße geholt, versorgt und weitervermittelt, es wird auch vor Ort geholfen. Das heißt, es werden auch Stallhunde aus der Nachbarschaft und Tonnenhunde aus den Bergen oder verlassenen Gegenden betreut (gefüttert, gepflegt und wenn nötig medizinisch versorgt).

Und da zu Beginn meiner Zeit nicht viele Tiere bei und Marita und Jürgen waren, kümmerten Brigitte und ich uns um die Kettenhunde.

Der erste Stopp war bei einer alten Cockerhündin. Nachdem wir sie mit dem nötigsten versorgt hatten wagte Brigitte einen Blick in den total verdreckten Hühnerstall gleich um die Ecke. Wir machten eine unglaubliche Neuentdeckung. In einem schmalen ca. 30 cm hohen Drahtkäfig lebte ein ca. 8 Wochen alter Welpe, die Näpfe waren leer und eine Decke hatte der kleine Kerl auch nicht.

Wenn man genauer hinsieht, kann man erkennen, dass der Käfig noch einmal unterteilt ist, auf der anderen Seite liegen Säcke, wahrscheinlich mit Futter. Den Hühnern scheint es dort auf den ersten Blick gut zu gehen, sie haben zumindest genügend Auslauf. Nicht nur mir tat der kleine Welpe Leid, Brigitte gefiel das natürlich auch nicht. Also, ab zum Bauern! Brigitte war sehr geschickt mit ihrer Wortwahl, man muss da sehr vorsichtig sein, die Griechen sind sehr schnell beleidigt und dann hat man keine Chance mehr. In diesem Fall haben wir Glück, der Bauer will dem kleinen Welpen eine Hütte bauen, wir sind mal gespannt!

Der Welpe hat Glück gehabt, zwar an der Kette, aber er sieht jetzt Glücklicher aus als vorher.
Zumindest ein kleines bisschen…

Die großen Touren mit Brigitte gefielen mir immer besonders gut, auf dem Weg zu den Tonnenhunden hatten wir viel Zeit zum Reden und Brigitte konnte mir eine ganze Menge über ihre Arbeit erzählen.

Tonnen-, Ketten-, Hütten- und Stallhundfahrten


Alle Tiere wurden mit Wurmkuren und Flohmitteln behandelt, wenn nötig auch gebürstet oder ganz neu frisiert …


… und jedes Tier bekam selbstverständlich frisches Wasser und neues Futter

Die folgenden Hunde fanden wir an einem abgelegenen Feldstück, nach genauerer Untersuchung mussten wir feststellen, dass zwei eine Ohrverletzung hatten.

Wir behandelten die Hunde und hinterließen Spray und Creme, in der Hoffnung, dass der Besitzer die Ohren weiter versorgt.

Unsere nächste Visite zeigte, dass die Tier hier nichts von ihren Besitzern zu erwarten haben. Es war wieder einmal ein Versuch mit den Einheimischen zusammen zu arbeiten, aber wie schon von uns erwartet, ist es in die Hose gegangen und wir kümmern uns weiter um die Hunde.


Einige von ihnen hatten ihre Tonne im Schatten, andere hingegen in der prallen Sonne!

Auch diese Tier versorgten wir mit dem Nötigsten!

Brigitte packt überall mit an!

….Tierarzttouren und Ausreisetouren!

Eines von Marita und Jürgen „speziellen Extras“ war der Hüttenbau für Tonnen- oder Kettenhunde die an abgelegenen Wegen, Feldern oder einsam in den Bergen ihr Dasein fristen.

In meiner Praktikumszeit baute Marita mit mir auch Hütten, die alle samt schön gestrichen wurden.
Schwer beladen machten wir uns auf den Weg.

Hier machen Marita, Brigitte und ich den Liegeplatz von Hund 2 sauber!

Das alte Zuhause wurde kurzer Hand zur Mülltonne!

Auch der Hund in der prallen Sonne bekommt eine neue Unterkunft im Schatten!

Aufbau der Hütten, bei 40 Grad, keine leichte Arbeit!

Hier war Arbeitsteilung angesagt! Bei diesen extremen Verwesungsgerüchen ( Abfälle … ) hatte Brigitte ihre Probleme, Übelkeit und Würgereitz plagten sie. Also übernahm ich das Säubern der Fläche und empfand angesichts der extremen Verschmutzung, dass die Fläche groß genug war. In der Zeit machte Brigitte sich ans Kot wegscharren und Marita schraubte die Hütten zusammen.

Hier bauen wir die letzte Hütte für heute!
Die Alte ist völlig kaputt und auch ein Wespennest hängt innen drin.

So ist es schon besser!

Diesen Hunden zu helfen um ihr Leben etwas erträglich zu machen war mir eine große Freude. Jeder der eine Hütte bekam nahm sie dankbar an.

Wenn sie sich am Aufbau von Hütten beteiligen möchten: http://www.finikas.de/hundehuettenbau.html

Eins stand fest, für mich sind zwei bis drei Wochen Tierschutzarbeit viel zu kurz. Die Zeit reicht auf gar keinen Fall, ich fühle mich hier wie zu Hause und möchte auf jeden Fall länger bleiben! Sicherlich tragen Marita, Brigitte und Jürgen einen großen Teil dazu bei, dass ich mich hier so wohl fühle, dicht gefolgt von den vielen Tieren auf Kreta.

Der Tierschutz in Plakias geht voran!

Immer öfter kommen Touristen auf den Hof von Marita und Jürgen, die sich für den Tierschutz im Ausland interessieren und mehr über die Tiere und die Tierschutzarbeit erfahren möchten. So finden sich immer mehr Leute die sich als Flugpaten anbieten, wir müssen dann möglichst schnell eine Pflegestelle in Zielflughafennähe finden. Das alles nimmt viel Zeit in Anspruch, so dass die Abende oft ausgebucht sind.

Eigentlich ist es normal das erst am Abend die Tagesabläufe des kommenden Tages besprochen werden, alle wichtigen Papiere und Unterlagen für die Flugpaten vorbereite werden und manchmal auch noch Notfalleinsätze mitten in der Nacht statt finden.

Ruhige Abende gab es eher selten, aber sie kamen vor und wurden dann auch reichlich von uns genossen. Dann ging es meistens an den Strand. Es war für alle selbstverständlich, dass ich dabei war, ich lernte jede Menge netter Leute kennen, die mich aufnahmen als wenn ich schon immer dazu gehörte. Es war immer wie in einer großen Familie, wobei ich ausnahmslos das Küken in der Runde war.

Meine anfänglichen Bedenken, dass es für mich hier auf den Hof gar nicht viel zu tun geben könnte, schwanden dahin. Mittlerweile gab es fasst täglich einen Neuzugang und es wurde langsam eng.

Hinter dem Haus waren Simba und Tom

vorne Pina

im Stall waren noch Teta, Totis, Tessa, die 4 Flaschenwelpen, Max und Hape & Greta

und im Haus hatte ich Emily mit ihren 8 Welpen und Mimi.

Dazu kommen noch die eigenen Tiere von Jürgen und Marita: Filo, Pünktchen und DJ

Es dauerte jetzt schon eine Weile bis ich meine Morgenrunde mit Füttern, Säubern, Medikamentengabe, Kotsammeln und ein paar Streicheleinheiten erledigt hatte. Dann gab es einen kurzen Frühstückssnack - oder auch nicht - wie an diesem Morgen.

Eigentlich fing der Tag ganz normal an, bis Simba sich ein Spielzeug schnappte. Filo wollte mitspielen, aber Simba kann nicht abgeben und der Stress nahm seinen Lauf. Die beiden kriegten sich prompt in die Haare. Bevor wir überhaupt irgendetwas machen konnten war der erste auch schon verletzt.

Simba hatte eine Verletzung am Auge und musste zum Tierarzt.
Hier einen guten Arzt zu finden war nicht einfach! Marita hatte einen Tierarzt den sie für gut befand und mit dem sie auch schon eine Weile zusammen arbeitet. Also hin da. Es waren nur 45 Minuten Fahrtzeit aber als wir ankamen, war er nicht da. Von einem Nachbar bekamen wir die Auskunft: „ Der war schon seit zwei Tagen nicht mehr hier!“ Na Klasse und jetzt?
Marita überlegte kurz und stellte nüchtern fest: für diese Art der Verletzung gibt es keinen guten, also können wir auch zu jedem anderen gehen.

Endlich hatten wir eine Tierärztin erreicht und das Schauspiel nahm seinen Lauf. Man hört ja die wildesten Geschichten darüber, wie einige ausländische Tierärzte so arbeiten, jetzt war ich mal live dabei.

Die Tierärztin kam, von wo auch immer, in das Behandlungszimmer mit Schmuck behängt, der Mode weit voraus. Erst einmal guten Tag mit Handschlag und dann ohne die Hände zu waschen ran an die Wunde. Was machen wir den da, am besten nähen und rein mit der Spritze. Weil wir nicht genau wussten wann Simba zuletzt gefressen hat, schon 6-7 Jahre alt ist und der Ärztin das Narkoserisiko zu groß war, gab es lediglich eine örtliche Betäubung.

Simba bekam natürlich noch alles schön mit - schauen wir mal wie stark seine und ihre Nerven sind!
Jetzt machen wir mal die Schieblade auf und holen die schön steril verpackten Sachen (Faden, Skalpellklinge ect.) mit ungewaschenen Händen heraus und legen sie auf ein wenig sauberes Tuch, batsch. Das „sterile“ OP-Besteck lag schon, ich weis nicht wie lange im Schrank und rauf damit auf den staubigen Unterschrank. Noch schnell die Handschuhe suchen und schon mal reinschlüpfen.

So, was macht der Hund?
Marita und ich guckten uns an. Nur die Ruhe bewahren…!

Die Ärztin meinte es gut und streichelte Simba noch einmal durch das Fell und weil die Betäubung noch nicht ganz wirkt, genehmigte sie sich noch schnell eine Zigarette. Dann konnte es losgehen, mit Fell panierten Handschuhen ran ans sterile OP- Besteck, na lecker - und dabei soll man ruhig bleiben.

Vier ganz einfache chirurgische Knoten und alles schief und krumm, das hätten Marita und ich besser hin bekommen!
Ich war kurz vorm Platzten!
So macht man aus einem lieben, Menschenbezogenen Hund einen ängstlichen Hund, der sich die nächsten drei Tage nicht anfassen lässt!
Ich bin natürlich noch viel zu jung, um eine Tierärztin zu beurteilen. Wer allerdings - so wie ich es bereits seit über zwei Jahren darf – Ines oder Diana bei ihrer Arbeit begleitet (die beiden lassen mich unheimlich viel alleine machen und erklären mit engelhafter Geduld), der wird verstehen, wieso mir an diesem „OP-Tisch“ fast der Kragen geplatzt wäre.

Wieder zu Hause ging es sofort weiter - ein Notruf!

Eine Hundemama hat sich entschlossen ihre 8 Welpen an einer Hotelanlage zur Welt zu bringen. Man konnte sie nicht mehr „verschwinden“ lassen, zu viele Touristen hatten sie gesehen. Brigitte wurde benachrichtigt um sie abzuholen und weil es sich rum gesprochen hat, dass ich da bin und hier mein Praktikum mache, kam die junge Hundefamilie zu Jürgen und Marita, beziehungsweise zu mir.

Bei 40 Grad im Schatten konnten die Kleinen unmöglich draußen bleiben, also kamen sie in meine Küche.
Nicht zu vergessen, bei mir im Schlafzimmer lebt Mimi schon eine Weile, über sie habe ich ja schon berichtet.
Die ersten Tage mit Emily und ihren Welpen waren super anstrengend, genau so wollte ich es haben, wenig Urlaub und viel Tierschutzarbeit. Emily war nicht stubenrein und hatte Durchfall, zum Glück konnten die Welpen noch nicht sehen, hören und laufen, sonst hätten sie als erstes gelernt wie man es nicht macht. Wenn alles sauber war, war Emily eine super süße Hündin, die sich vorbildlich um ihre Welpen kümmerte, zumindest die erste Zeit. Zur Belohnung gab es ganz viele Streicheleinheiten die sie sehr genossen hat.

Mittlerweile wusste Emily das sie sich auf mich verlassen konnte und hat mich prompt als Hundesitter auserkoren. Wenn sie meine Zeit überbeanspruchte weil sie mal wieder ein längeres Sonnenbad nahm, dann brauchte ich sie nur zu rufen und sie war sofort wieder da.

Otto, wieder ein Kandidat für uns!

Den Dalmatiner-Mixrüden trafen wir schon einmal auf einer unserer Touren. Der Wagen war an dem Tag voll mit Hunden die für die Ausreise vorbereitet werden sollten und wir mussten „Otto“ leider zurück lassen. Das war Pech und ließ sich auch nicht mit guten Willen ändern.

So wie Otto aussah glaubten wir auch nicht, dass wir ihn noch einmal wieder sehen würden. Aber es kam anders, genau eine Woche später trafen wir Otto fast an der gleichen Stelle wieder und dieses Mal war der Wagen fast leer. Er sah schlecht aus, abgemagert und ziemlich ramponiert! Einfach einladen ging aber nicht, wir musste erst einmal fragen ob er einen Besitzer hat, damit es keinen Ärger gab.

Gott sei Dank kannte ihn niemand. Angeblich rannte er hier schon ein paar Wochen herum, wir könnten ihn ruhig mitnehmen - zum Glück! Der dringend erforderliche Arztbesuch war niederschmetternd. Otto sollte eine unheilbare Krankheit haben. Ich wollte das, gerade im Hinblick auf die mit griechischen Tierärzten gemachten Erfahrungen nicht einfach so hinnehmen. Das würde auch einen neuen Slogen geben: „Retten um zu Töten!“
Nicht mit mir! Ein dringendes Telefonat mit Thomas stand an und Otto war gerettet.
Ich nehme ihn mit nach Deutschland und damit war nur noch ein Platz im Flieger frei!

Mischa, er geht mir nicht mehr aus dem Kopf, ich erwähnte ihn schon am Anfang meines Berichts, er lebt bei Verena. Auf Grund seiner Ängstlichkeit hat er hier keine Chance ein halbwegs normales Hundeleben zu führen. Seine Geschwister leben schon alle eine ganze Weile in Familien in Deutschland, nur Mischa hatte keinen Interessenten und ist noch hier. Verena freute sich sehr über mein Vorhaben und sagte sofort „ ja, gerne!“ Mischa braucht unbedingt jemanden der sich intensiv mit ihm beschäftigt, damit er seine Scheu vor Menschen verliert. Er ist der dritte Hund der mitreisen darf und damit sind alle Plätze im Flugzeug vergeben.

Tom, Otto und Mischa im Frachtraum und Mimi im Handgepäck, ich war sehr zufrieden mit meiner Wahl.

Vier Wochen Kreta, da bekommt man natürlich auch die verheerenden Auswirkungen durch die Waldbrände mit. Auch wenn Plakias selbst noch nicht betroffen ist, verspürt man innerlich Angst. Auf unseren Touren sahen wir überall kleine Brände, die durch die Wetterlage geschürt wurden. Ein starkes Windaufkommen und Temperaturen von 40 Grad verstärkten die Bedingungen für das Feuer. An den Stränden, wo das Wasser üblicher Weise ruhig und still ist, tobten die Wellen. Während der Autofahrt, außerhalb von Plakias, stieg uns der warme Rauch durch das Fenster. Menschen und Tiere waren gleichermaßen betroffen. Ich war froh, als ich wieder auf der Finka war.

Die letzten Tage vergingen wie im Flug, ich habe jeden Tag genossen als wäre es der Letzte. Der Terminkalender war voll, neben der alltäglichen Tierschutzarbeit wurden die letzten Abende geplant. Geburtstagsfeier, Massage für meinen verspannten Rücken und Abschiedsabend für mich. Noch mal Danke an Alle!

Am Tag meiner Abreise erreichte mich ein Telefonat von Verena, es gibt Probleme mit Mischa, er lässt sich nicht einfangen, es war einfach nichts zu machen. Um ihm weiteren Stress zu ersparen, hat Verena dann doch beschlossen ihn auf Kreta zu behalten, ist vielleicht doch besser für ihn. Viel Glück Mischa!

Eine Flugbox ist wieder frei. Kurz mal nachdenken, wer ist reisefertig und könnte mit?
Es ist immer schwer so eine Wahl zu treffen, denn jeder von ihnen hat ein besseres Leben verdient.

Na klar, es kamen für mich nur zwei Kandidaten in frage, Totis und Tita!
Tessa ist schon zwei Wochen zuvor in eine Pflegestelle nach Deutschland geflogen und die anderen beiden sind ebenfalls reisefertig. Alle fanden den Vorschlag gut und somit war wieder alles perfekt.



Mit einem weinenden und einem lachenden Auge reise ich ab.

Eins verspreche ich Euch, ich komme wieder, denn “vier Wochen Kreta sind nicht genug!“


Eure Carina