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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 3. September 2010

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Diese Seite zeigt einen Newsbeitrag der alten Webseite, daher wird er auch mit grünem Hintergrund dargestellt. Diese Rubrik wird nicht gepflegt oder aktualisiert. Aktuelle Newsmeldungen finden Sie in unserem News-Blog.

Datum der News:2007-08-08

Atze

Im April 2007 nahm das Leben von Atze eine für Kettenhunde in Griechenland eher seltsame Wendung. Irgendwie hat es der Besitzer wohl bemerkt, dass ein so ängstlicher Hund wohl kaum zum Jagen taugt und ihn freigegeben. Wir verbuchen das mal als einen kleinen Erfolg. Normalerweise hätte er ihn wohl auf die übliche Art und Weise entsorgt. Nein, dieses Mal nicht. Brigitte kam dann eines Tages mit Atze auf dem Arm zu uns. An der Leine hätte sie ihn hinter sich her ziehen müssen ...

von Jürgen Wollschläger

Den Anfang seiner Geschichte lesen Sie >>>> hier <<<<

Lange nach Atzes „Heilung“ im Oktober letzen Jahres war Funkstille zum Besitzer. Aber Brigitte blieb auch in diesem Fall„am Ball“. Immerhin hat er auch noch 2 Kollegen, die es zu Betreuen gilt.

Julia, die Tierärztin vom Förderverein Arche Noah Kreta e. V. hatte seine Wunde versorgt.

Im Frühjahr stand für Brigitte wieder einmal ein Besuch bei den drei Hunden an. Dieses Mal begleitete ich Sie.

Als wir vor Ort eintrafen, drehe sich mir der Magen um, wie so oft, wenn wir fassungslos vor den katastrophalen Lebensbedingungen der Kettenhunde stehen. Ein schwarz weißer Mischling, angekettet an einer nicht einmal 1 ½ Meter langen Kette, befestigt an einer mit Steinen gefüllten Schubkarre.

Fünf Meter weiter der Nächste, er hat eine alte Tonne und eine ebenso kurze Kette. Beide freuten sich so, wie es ihr Bewegungsradius möglich machte und ließen Flohbehandlung, Zeckenentfernung und Wurmkur über sich ergehen. Frisches Wasser, Futter und eine große Portion Streicheleinheiten genossen sie sichtlich.

Dann gingen wir zu Atze. Erst hab ich ihn nicht erkannt, sein Fell war heller und verfilzt, aber an seine Augen erinnerte ich mich sofort. Wieder hatte ich die Bilder vom letzten Jahr im Kopf. Ich sah den angstverkrümmten Körper, die klaffende Wunde die zum Himmel stank, als wir ihn zu Julia brachten. Ich erinnerte mich noch genau an den Moment, als wir ihn als „geheilt“ entlassen mussten.

Nein, als Brigitte und ich den Ort verließen ging es uns deutlich schlechter als vorher. Gerne hätte ich dem, dem diese Hunde „gehören“ ordentlich den Hintern versohlt, und zwar so lange bis er begreift was er da anstellt. Tief Luft holen, Schlucken, diplomatisch sein und weiter . . .
Im April eine seltsame Wendung. Irgendwie hat es der Besitzer wohl bemerkt, dass ein so ängstlicher Hund wohl kaum zum Jagen taugt und ihn freigegeben. Wir verbuchen das mal als einen kleinen Erfolg. Normalerweise hätte er ihn wohl auf die übliche Art und Weise entsorgt. Nein, dieses Mal nicht. Brigitte kam dann eines Tages mit Atze auf dem Arm zu uns. An der Leine hätte sie ihn hinter sich her ziehen müssen.

Er rannte von einer Ecke unseres Gartens in die Andere. Immer auf der Suche nach Schutz, einer Möglichkeit sich zu verstecken. Vielleicht, damit niemand seine Angst bemerkt . . .

Wieder einmal waren es die Hunde, unsere eigenen und die, die wir für einige Zeit beherbergten, die Atze ein ganz kleines Bisschen an Sicherheit geben konnten. Nach ein paar Tagen taute Atze so langsam auf. Wieder einmal zeigte sich, dass die Artgenossen die besten Therapeuten sind. Freunde von uns, die gerade zu Besuch waren, und auch wir, ließen Atze in den nächten Tagen erst einmal völlig in Ruhe. Keine lauten Worte, kein Schimpfen, nicht Erschrecken, kein Bedrängen, leben lassen  . . .

Ihm beim Spielen mit den anderen Hunden zuzusehen war einfach herrlich. Es tat uns allen gut, Tag für Tag einen entspannteren Atze zu erleben. Ich denke die Fotos sagen da mehr als Worte . . .

Sein Misstrauen uns gegenüber blieb jedoch zunächst. Man brauchte ihn nur anzusprechen, selbst ein Blick zu ihm genügte, und schon war Atze verschwunden.

Wenn Marita morgens mit unserem dicken Filos spazieren ging, geriet Atze immer in helle Aufregung. Er sprang auf die Mauer und versuchte sich durch den schmalen Zwischenraum der Zaunlatten zu zwängen. Offensichtlich wollte er mit, aber anleinen lassen eben nicht. Das hieß, wir mussten wieder mit allen Tricks arbeiten.
Ruth, unsere Freundin, platzierte sich am nächsten Morgen am Tor als Marita und Filos den Hof verließen. Atze sprang an der Mauer zum Zaun hoch und Schwupps, hatte Ruth die Leine dran. Von da an war es jeden Morgen das gleiche Spiel.
Manchmal ging ich mit zum Spaziergang und irgendwie konnte ich fühlen, dass Atze irgendwann das vergessen wird was er mal erlebt hat. Bis auf ein paar Touristen die uns begegneten und Atze immer wieder in Panik brachten genoss er die kleinen Ausflüge in vollen Zügen.

Mal jeden Baum anpinkeln, die Welt entdecken, im Olivennetz wälzen, aus Pfützen trinken, einfach Hund sein und mit dazu gehören . . .

Als Marita einmal mit Filos und Pünktchen alleine loszog, schaffte er es tatsächlich sich durch den Zaun zu quetschen. Er nahm die Fährte seines Rudels auf und stieß etwa zwei Kilometer entfernt dazu.
Auch Zuhause gab es kleine Fortschritte. Immer öfter legte er sich mal vorsichtig in unsere Nähe, schnupperte an unseren Händen, wenn wir ihn bewusst ignorierten oder stupste einem von hinten in die Kniekehlen wenn man lief. Manchmal ließ er sich aus Versehen auch schon mal kurz streicheln.

Wir waren alle traurig als Atze nach fünf Wochen Besuch bei uns seine Reise nach Deutschland antrat. Aber wir haben die Herausforderung angenommen und das Beste daraus gemacht, um ihm einen guten Start in ein besseres Leben zu ermöglichen.

Text und Fotos: Jürgen Wollschläger, www.finikas.de