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Montag, 6. September 2010

Newsarchiv

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Diese Seite zeigt einen Newsbeitrag der alten Webseite, daher wird er auch mit grünem Hintergrund dargestellt. Diese Rubrik wird nicht gepflegt oder aktualisiert. Aktuelle Newsmeldungen finden Sie in unserem News-Blog.

Datum der News:2008-04-22

Rover in the Dark

Während ich diese News ins Netz stelle, sitze ich hier mit Gänsehaut und einem ganz dicken Kloß im Hals vor dem Rechner. Die Geschichte, die mir Undine Nickerl geschickt hat, ist einfach nur unglaublich. Ich bin zutiefst gerührt und denke immer wieder an den Tag, an dem ich den blinden Dark das erste Mal im unsäglichen Tierelend und fast verhungert erlebt habe. Seine Geschichte, sein neues Leben, seine Aufgabe und das, was er "seinen Rettern" jetzt zurück gibt, das klingt wie ein zauberhaftes Märchen, aber es ist alles Realität und es ist wunderbar...
5 Jahre - ein Portrait über Rover (Dark) von Undine Nickerl

5 Jahre

[Links zu Dark:
Die Tierhölle aus der Dark gerettet wurde: Mitten in Heraklion
News von Dark: Dark ist vermittelt!
Das erste Jahr im neuen Rudel: Sofawolf]

Jetzt ist es 5 Jahre her. Im Mai 2003 wurde das private Tierheim von Kostas in Heraklion evakuiert. Einer der Hunde, die damals nach Deutschland kamen, war der blinde Dark. Er lebte bis zu diesem Mai unter erbärmlichsten Bedingungen an einer kurzen Kette, war fast verhungert und verdurstet. Durch eine Verätzung beider Augen ist er erblindet. Die Tierärztin Ines Leeuw nahm ihn zu sich und pflegte ihn bis er vermittelt werden konnte. Am 13. Juli 2003 haben wir das große Los gezogen! Sie gab Dark zu uns. Es fiel ihr nicht leicht. Sie ahnte wohl, dass dies ein ganz besonderer Schatz war, den sie da weiter gab. Schon damals war er freundlich und menschenbezogen. Aber er war auch extrem zurückhaltend und vorsichtig. Dark nahm nur an, was er bekam; er forderte nie.

Wir nannten ihn „Rover in the Dark“. In seinem ersten Jahr in Deutschland lernte er viel und entwickelte sich zu einem selbstsicheren, immer freundlichen Hund, der heute voller Vertrauen auf alle Menschen zugeht und jede Streicheleinheit genießt. Als Rover das erste Mal keine Angst mehr vor Jugendlichen zeigte und sich von ihnen sogar anfassen ließ, war das ein ganz besonderer Tag für mich. Sein souveräner Umgang mit seiner Einschränkung und seine Unabhängigkeit lassen jeden staunen, der ihn kennenlernt.

Er läuft ohne Leine und lässt sich heute im Notfall durch wenige Worte um Hindernisse lenken und vor gefährlichen Situationen bewahren.

Hat er uns in diesem ersten Jahr durch seine Fortschritte beeindruckt, zeigte er mir 2005, was wirklich in ihm steckt. In diesem Jahr lernte Rover alles, was er braucht, um mich als Therapiebegleithund ins Krankenhaus zu begleiten. Am 01. November 2005 hatte er dann seinen ersten Arbeitstag. In den Monaten zuvor lernte er Rollstühle, Unterarmstützen, laute Sprache und ungeschickte Bewegungen kennen. In unserem Hundeverein übten wir das Spiel mit fremden Personen, egal, ob auf der Erde oder auf dem Tisch. Er lernte zuverlässig auf seiner Decke zu warten und auf ganz leise Kommandos zu reagieren.

Wann er „im Dienst“ ist weiß er genau und geht in diesen Situationen von sich aus auf jeden zu, spielt, läßt sich streicheln oder ist einfach nur da.


Durch verpacken von Leckerchen oder das Vorbereiten eines Holzspieles für Rover wird z. B. Geschicklichkeit und Kraft bei einer Behinderung der Hände trainiert.

Flaschen drehen ist eine gute Übung zum Training des Gleichgewichtes. Zuerst am Tisch und später durch Vorbeugen im Rollstuhl, damit Rover an die Flasche kommt.

Es ist inzwischen erwiesen, dass Tiere das seelische Wohlbefinden des Menschen positiv beeinflussen. Sie können das Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt befriedigen. Tiere akzeptieren den Menschen vorbehaltlos. Sie werten nicht mit menschlichen Maßstäben. Ihre Kommunikation ist direkt und ohne Berechnung. Negative Emotionen wie Einsamkeit, Depresssion oder Heimweh werden durch das Erleben von Freude im Umgang mit dem Tier reduziert.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass allein die Tatsache, dass Rover Bestandteil der Therapie ist, motivierend und ablenkend wirkt. Das eigentliche Theapieziel steht für den Patienten nicht mehr im Vordergrund: er bemerkt nicht, dass er z. B. sein Gleichgewicht trainiert, wenn er sich im Rollstuhl vorbeugt, um Rover zu steicheln oder mit ihm zu spielen.

Außerdem bietet der Hund Gesprächsstoff. Er fungiert so als Mittler und erleichtert dem Patienten den zwischenmenschlichen Kontakt in einer Zeit, in der das erlebte Trauma und der damit verbundene Verlust der körperlichen Unversehrtheit sprachlos und einsam machen kann. Durch seine sehr ruhige, bedächtige Art erreicht er auch ängstliche und vorsichtige Patienten. Seine Fröhlichkeit und seine Unabhängigkeit trotz seiner Behinderung sind für einige Patienten etwas, das ihnen Mut macht. Ein junger Mann sagte einmal: „Wenn er so fröhlich ist, obwohl er nicht sehen kann, dann schaffe ich das auch. Ich kann ja nur nicht laufen, aber ich kann sehen.


Leider ist es auf Grund von Rover´s Alter absehbar, dass er mich irgendwann nicht mehr zur Arbeit begleiten möchte. Dann wird er in „Rente“ gehen und die Tage im Garten genießen. Sein Nachfolger wird Stefan - Tomte werden.

Auch er kommt aus Heraklion und er hat ein Lebensmotto, das ihn wirklich immer begleitet.


Ein Smiley im Fell

Text: Undine Nickerl, Fotos: Dieter Grüttefin

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22.04.08, Stefan G.