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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 10. September 2010

Newsarchiv

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Diese Seite zeigt einen Newsbeitrag der alten Webseite, daher wird er auch mit grünem Hintergrund dargestellt. Diese Rubrik wird nicht gepflegt oder aktualisiert. Aktuelle Newsmeldungen finden Sie in unserem News-Blog.

Datum der News:2008-04-09

Hilfe für Helfer

Auf dieser Internetseite und in unserem Report lesen Sie immer wieder von über 40 Tierschutzpartnern auf Kreta, um die wir uns kümmern, die von uns Futter, finanzielle oder tiermedizinische Unterstützung erhalten. Wer sind diese Tierfreunde? Wo sind sie aktiv? Was benötigen sie und was genau leisten sie? Mit diesem Infotext starten wir eine Serie, in der wie Ihnen unsere Tierschutzpartner auf Kreta vorstellen. In den kommenden Wochen schildern wir Ihnen, wie sich die Tierfreunde auf Kreta für die Tiere einsetzen, welche Nöte, welche Sorgen sie belasten und was sie dringend benötigen. Wir möchten Sie dafür sensibilisieren, uns bei der Unterstützung dieser Tierfreunde zu helfen!

Durch das Fernsehen und andere Medien hört man jetzt immer öfter von Organisationen und Initiativen, die sich um die Betreuung von Menschen in stark belastenden Hilfsberufen kümmern. Feuerwehrleute oder andere Rettungskräfte werden mit Schwerverletzten und großem menschlichen Leid konfrontiert. Besonders diejenigen Helfer, die in Katastrophengebieten eingesetzt werden, brauchen vor Ort und auch hinterher eine intensive Beratung und Begleitung, um die traumatischen Bilder und Situationen, die sie erlebt haben, und die Erfahrung der persönlichen Hilflosigkeit zu verarbeiten. Auch Personen, die in Hospizen Tag für Tag Sterbende begleiten, erhalten selbstverständlich psychische Betreuung und Supervision.

Wenn wir uns nun einmal das alltägliche Leben unserer Tierschutzpartner auf Kreta ansehen, dann fragen wir uns: Was ist mit deren traumatischen Erlebnissen, schrecklichen Bildern und belastenden Aufgaben? Wie kommen sie eigentlich mit dem ständigen Gefühl der Hilflosigkeit zurecht? Dem Wissen, dass sie mit Windmühlenflügeln kämpfen, dass sie heute ein Tier füttern, welches sie morgen vielleicht vergiftet oder erschlagen finden, denn das ist der Tierschutzalltag auf Kreta.

Tatsache ist, dass Griechenland und ganz besonders Kreta in Bezug auf Tierelend Krisengebiete sind. Was hier mit den Tieren geschieht, steht Kriegsschauplätzen und Katastrophenszenarien in nichts nach. Das klingt für Sie übertrieben? Sie alle kennen die teilweise schrecklichen Bilder von unserer Internetseite. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir hier einmal sagen, dass wir die wirklich schlimmen Bilder und die wirklich unerträglichen Geschichten gar nicht veröffentlichen. Wir würden damit unsere Mitglieder und Spender auch traumatisieren und ihnen damit vielleicht den Mut nehmen unsere Bilder und Berichte auch weiterhin anzuschauen und zu lesen. Und nicht zuletzt schmerzt es zu sehr, ein so großes Leid öffentlich darzustellen.

Was unsere Tierschützer vor Ort manchmal an Verletzungen und Grausamkeiten vorfinden, ist zutiefst schockierend. Auch im medizinischen Wortsinn: Schocksymptome und Schocksyndrome sind unter aktiven Tierschützern nicht selten. Sie werden immer wieder mit Situationen konfrontiert, mit denen ein normal fühlender Mensch überfordert ist. Dafür gibt es in der Medizin und Psychologie sogar verschiedene Diagnosen: Zum Beispiel PTBS – Posttraumatic Stress Disorder (Posttraumatische Belastungsstörung) oder Burn out Syndrom oder der schlichte psychische Schock. Nicht nur einmal haben wir Hilferufe in dieser Art von unseren Tierfreunden auf Kreta erhalten.

Die meisten aktiven Tierschützer vor Ort haben keinerlei professionelle Hilfe bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse. Das Einzige, was irgendwie zu helfen scheint ist: Weitermachen! Je mehr Not und Elend man erlebt, desto dringender sieht man die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun. Und so entsteht dann oft ein Alltag für die Tierschützer, der langfristig in einer massiven Überforderung mündet.

Denn wer eine Pflegestelle hat oder täglich 30 Futterstellen für Streuner abfährt, der kann nicht mal ein paar Tage aussetzen, wenn er das eigentlich gesundheitlich mal nötig hätte. Ja, der kann noch nicht einmal eine Woche krank sein. Die Tiere müssen versorgt werden. Jeder Feuerwehrmann oder Hospizarzt hat auch irgendwann mal Feierabend und kann nach Hause gehen und hat regelmäßig ein paar Tage frei.

Eine Pflegestelle mit 15 Welpen, einem bissigen Kettenhund, einer frisch operierten Katze und einem fast verhungerten Neuzugang hat keinen Feierabend. Es muss gefüttert werden, es muss geputzt und gewaschen werden, es müssen Medikamente gegeben werden. Hinzu kommt die Organisation von Futter, das Aufbringen der Kosten, die Vermittlung von abgabefähigen Tieren und immer mal wieder auch der Abschied von kleinen Pfleglingen, die es trotz aller Liebe und Mühe nicht geschafft haben.

Können Sie sich vorstellen, dass so Ihr Alltag aussieht? Über Jahre?

Der Alltag mancher unserer Tierschutzpartner auf Kreta sieht aber so aus. Und jede einzelne der dort aufgenommenen vierbeinigen Seelen hat einen Namen, hat eine Geschichte, fängt an dich zu lieben, an dich zu glauben, auf dich zu zählen.

Da liegen sie mit ihren Verletzungen, ihren Durchfällen, ihren Ängsten. Und sie schauen dich an mit großen Augen, bettelnd, ängstlich, hoffnungsvoll und lieb – so lieb. Natürlich kämpfst du um jeden einzelnen. Nie würdest du so ein winziges Katzenbaby, das alle drei Stunden sein Fläschchen braucht einfach hungern lassen, nur weil du seit Tagen nicht mehr als drei Stunden am Stück geschlafen hast. Und natürlich würdest du dein letztes Geld vom Konto holen, wenn gerade kein Futter mehr da ist. Und wenn du siehst, dass der Neuzugang es nicht schafft, dass er schon so lange gehungert hat, dass ihm jetzt auch das beste Futter nicht mehr hilft, - dann lässt du den nicht einfach alleine sterben, sondern schenkst ihm in seinen letzten Stunden noch das, was er vielleicht sein ganzes Leben vermisst hat: Nähe, Liebe und das Gefühl, dass er nicht allein ist.

Wir möchten unsere Tierschutzpartner in ihrer schwierigen Lebenssituation so gut wie möglich unterstützten. Zum Beispiel möchten wir ihnen die ständige Sorge um das Futter nehmen. Wir kümmern uns darum, dass immer genug Nachschub auf Kreta ankommt oder vor Ort gekauft werden kann. Wer sich Tag und Nacht um hilfsbedürftige Tiere kümmert, soll sich nicht auch noch Sorgen darum machen, ob morgen noch genug Futter da ist. Diese Hilfe können wir aber auch nur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten leisten. Daher bitten wir Sie um Ihre finanzielle Unterstützung.

Wir möchten auch die medizinische Versorgung der Tiere in Pflege verbessern. Wer zehn oder zwanzig oder mehr Pflegetiere in der eigenen Wohnung beherbergt, hat kaum Zeit, immer wieder mit einzelnen Tieren kilometerweit zum Tierarzt zu fahren und dort auch noch Zeit im Wartezimmer zu verbringen. Denn fast immer benötigen Pflegetiere medizinische Versorgung.

Unser Traum wäre natürlich, wenn wir für all unsere aktiven Tierschützer eben solche Supervisionen und persönliche Hilfen zur Verarbeitung ihrer Aufgabe anbieten könnten. Tatsächlich sind solche Hilfen im Tierschutz nahezu ein absurder Gedanke. Alle Arbeit, alles Geld muss in die Versorgung der Tiere fließen. Die seelische Gesundheit der Tierschützer bleibt dabei deren Angelegenheit und damit müssen sie selber fertig werden. Und so geschieht es dann immer mal wieder, dass eine fähige Mitarbeiterin oder eine wichtige und gute Pflegestelle einfach wegfällt, weil die Kraft ab irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr reicht. Wir wollen nicht, dass unseren Leuten so etwas passiert. Wir wollen, dass Menschen bewusst und geplant in den aktiven Tierschutz einsteigen, dass sie aufmerksam in ihrer Arbeit unterstützt und betreut werden und gegebenenfalls bewusst und geplant ihre Aufgabe an andere weiter geben, wenn sie eine Erholung brauchen.

Wenn aber unsere Menschen auf der Strecke bleiben, dann bleiben auch unsere Tiere auf der Strecke. Das darf nicht passieren. Den Tieren nicht und den Menschen auch nicht. Denn nur wenn es unseren Helfern vor Ort gut geht, geht es auch unseren Tieren gut und der Tierschutz, den wir anstreben kann dauerhaft funktionieren.

Um noch besser und konkreter zu helfen und um Ihnen einige der Tierschützer auf Kreta vorzustellen, haben wir diesen ein paar Fragen gestellt. In den folgenden Wochen stellen wir Ihnen dann einige Tierfreunde anhand der Antworten vor.

Helfen Sie helfen!

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09.04.08, Stefan G.