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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 3. September 2010

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Wir haben es geschafft!

Ines und Thomas sind nach langen und anstrengenden Jahren als Tierärzte in Griechenland anerkannt worden. Am 19.04.2010 wurden mir die Protokoll Nr. 257471 und Nr. 257472 vom griechischen Agrarministerium fernmündlich mitgeteilt, die sicher stellen sollten, dass die Entscheidung ergangen ist. Richtig glauben konnte ich es erst, als beide Anerkennungsurkunden vor mir lagen im Original.

Was heißt das für die Arbeit der Beiden im Einzelnen:

  1. Ines und Thomas werden in Griechenland jetzt als griechische Tierärzte angesehen und müssen, wie jeder andere griechische Tierarzt auch, mit allen Rechten und Pflichten aus den einschlägigen Gesetzen versehen werden.

  2. Sie können sich jederzeit eine Praxis in Griechenland aufbauen und wie jeder andere Tierarzt in Griechenland praktizieren. 

  3. Für jede Kastrationsaktion werden keinerlei Papiere mehr von Ines und Thomas benötigt, sondern lediglich eine Gemeindevertrag, falls die Kastrationen unentgeltlich vorgenommen werden sollten, in dem der Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde die beiden einlädt, die Straßentiere seiner Gemeinde zu kastrieren. Einen geeigneten Raum sollte die Gemeinde zur Verfügung stellen können. An dieser Stelle erwarte ich noch einen erheblichen Widerstand der griechischen Kollegen, die aus ökonomischen Gründen nach wie vor gegen die unentgeltlichen Kastrationsaktionen sind. Allerdings glaube ich, dass nach der ersten oder zweiten erfolgreichen Kastrationsaktion und einer Veröffentlichung der gesparten öffentlichen Kosten durch die Unterstützung von Tierschutzvereinen die Gegenwehr nachlässt. Denn sicher bin ich mir, dass der bereits eingesetzte Prozess der Bewältigung der Straßentierproblematik derzeit abgebrochen werden muss, da die öffentlichen Gelder (verständlicherweise) im Moment für die Grundsicherung der Bevölkerung und die Einhaltung der Bedingungen der EU für die Kreditvergabe verwendet werden müssen.

  4. Sobald Ines und Thomas eine Praxis eingerichtet haben, können Sie als griechische Tierärzte jederzeit andere ausländische Tierärzte ohne große Verfahren einladen, so dass dies mit einer leicht einzuholenden Genehmigung vom Ministerium (Ines und Thomas hatten diese Genehmigung schon Ende 2007) bis zu einem Jahr hier arbeiten können. Auf diese Weise finden wir vielleicht mehr interessierte Tierärzte, die in die Kastrationen eingearbeitet werden können, damit schnell und flächendeckend die Populationen kontrolliert werden können. Wenn unsere beiden Tierärzte hier ansässig sein sollten, bin ich auch davon überzeugt, dass schnell das Interesse an Gegenwehr und Mobbing verschwinden wird, wenn die beiden erst mal kennengelernt werden. Ich hoffe sehr, dass wir in verschiedenen Gemeinden Kollegen finden werden, die eine Kastrationsaktion unterstützen und Ihre Praxis für einen kurzen Zeitraum zur Verfügung stellen.

  5. Wir können in der Presse das Konzept des Tierschutzes durch Kastrationen erklären. Auf diese Weise kann die Popularität der Kastrationsaktion wachsen und die Lobby erweitert werden. 

  6. Die Unterlagen zur Eintragung in die Panhellenische Tierärztekammer sind unterwegs nach Thessaloniki und wir werden sehr bald die Mitgliedsnummern und –ausweise der Beiden haben, womit sie sich jederzeit als Tierarzt ausweisen können und Tieren in Not jederzeit, sogar auf gesetzlicher Basis, an jedem Ort helfen müssen. Grundsätzlich war das bis jetzt auch schon so, da sie bereits als deutsche Tierärzte dazu verpflichtet sind, allerdings durften sie keine Medikamente (z.B. Narkosemittel) verwenden, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, da ihre Ärzteeigenschaft hier in Griechenland keinen Bestand hatte.

Es wird bestimmt noch ganz viele neue Möglichkeiten geben, die sich entwickeln, sobald eine Routine eingetreten ist. In jedem Fall können wir alle wieder neue Ideen und Wünsche aussprechen, da die Möglichkeit der Umsetzung zumindest eine rechtliche Basis gefunden hat.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir jetzt erst Recht die richtigen Konstruktionen finden, um die Ziele für die Straßentiere durchzusetzen und verspreche meinen oft kritisierten Extrem-Optimismus nicht aufzugeben.

Abschließend muss ich noch darauf aufmerksam machen, dass der Einfluss der Europäischen Kommission in dieser Angelegenheit letztendlich den Ausschlag gegeben hat, wobei auch die neue Agrarministerin sehr bemüht darum war, gerade Ines und Thomas jetzt schnell anzuerkennen.

Was Thomas Einschätzung angeht, ein “kleiner Tierarzt” hätte hier etwas durchgesetzt mit einer”kleinen Anwältin”, kann ich allen versichern, dass es wohl in Europa in den einschlägigen Behörden und Abteilungen wenige Sachbearbeiter geben wird, die die Angelegenheit und die Namen “Thomas Busch und Ines Leeuw” nicht kennen.

Eine ganz neue Arbeit erwartet uns und viele neue Möglichkeiten stehen offen, für einen effektiven und nicht mehr so demoralisierenden Tierschutz.

Bei aller Euphorie auch von mir, möchte ich in eigener Sache und als Betroffene auch etwas zur Krise in Griechenland sagen. Wir müssen mit der Gesamtsituation sensible umgehen, da die Finanzkrise wie jede Krise für die “kleinen Leute” am schlimmsten ist. Die Gehaltskürzungen sind enorm, die Armut wird größer und Kinder und alte Leute sind nicht ausreichend in jeder Hinsicht versorgt. Die deutsche Presse hat viele verletzt und ist insoweit ungerecht, als dass der Großteil der Bevölkerung einsieht, dass sich etwas ändern muss. Aber Sie müssen sich vorstellen, dass das Spitzengehalt eines Beamten bei etwa 1.900,- Euro liegt, das von einem Tag auf den anderen auf 1.400,- Euro reduziert wird, gleichzeitig die Benzinpreise steigen und die Fahrtkosten zur Arbeit nicht mehr ersatzfähig sind (ab 10.05.2010 kostet ein Liter 2,- Euro), die MwSt angehoben wird (1 Liter Milch kostet jetzt 1,89 Euro MwSt 21% und wird auf etwa 2,- in der nächsten Woche angehoben MwSt 24%), die Touristen bleiben aus wegen der unsicheren Gesamtsituation, wegen Streiks und wegen des Vulkanausbruchs etc.

Wer es einsieht oder nicht, alle müssen Ihr letztes Hemd geben und trotzdem wird nicht prognostiziert, dass wir es schaffen können. Diese Depression in der Bevölkerung führt dazu, dass ein höheres Aggressionsverhalten an den Tag gelegt wird, Firmen und Geschäfte gehen in Konkurs, Immobilien müssen verkauft werden und die Privatschulden ersetzen Tag für Tag einen Minimalanteil an Staatsschulden. In einer solchen Privatsituation ist es verständlich, dass man sich ungerecht behandelt fühlt, weil man selber ja die Gelder nicht auf seinem Konto hat, die jetzt in der Staatskasse fehlen. Die bittere Wahrheit hier ist eine andere, als sie in der deutschen Presse dargestellt wird und ich würde mich freuen, wenn mehr nachgefragt wird, bevor über den “Griechen-Ansich” geurteilt wird.

In diesem Sinne eine weitere gute Zusammenarbeit !!

Christina Rohde-Tsioros
Rechtsanwältin