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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 18. Mai 2012

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9. Dezember

Das war typisch für mein Frauchen und mein Herrchen, dass sie nie Zeit verloren. Kaum angekommen, lag dreißig Minuten später der erste Hund auf dem provisorischen OP-Tisch. Es war nicht gerade eine Klinik, in der sie arbeiteten – lange nicht so schön wie die von Uwe, aber immerhin wurde aus dem alten Keller nach und nach ein ordentlicher Operationsraum. Frauchen legt absoluten Wert aduf ein steriles OP-Feld, da gibt es an keiner Stelle Diskussionen, aber ob die Wand gefliest ist oder mit alter Farbe beschmiert, ist ihr immer schon egal gewesen.

„Herrchen, schau doch mal in den Schrank, neben der Tür“, konzentrierte ich mich und begann mit meiner Arbeit.

„Hier liegt ´ne Lampe“, sagte Herrchen zu Frauchen. „Besser hätten sie die auch nicht verstecken können.“

Die Menschen, die um mein Frauchen standen, wirkten sichtlich nervös. Auch das kannte ich bereits. Immer dann, wenn die beiden zu einer neuen Stelle kamen, hatten die Tierschützer Sorge um ihre Tiere, denn sie hatten bis dahin mein Frauchen ja noch nie operieren sehen. Sie hatten nur von ihr gehört...
Jetzt aber, wo sie mit eigenen Augen versuchten, ihren Fingerbewegungen zu folgen, war sämtliche Angst aus ihren Gesichtern gewichen. Dass hier jemand operierte, der eine Erfahrung von ungefähr 30.000 Operationen mitbrachte, beruhigte sie ungemein. Weitere Hunde wurden am Hafen überredet, sich kastrieren zu lassen und die meisten folgten dieser Aufforderung bedingungslos.

„Siehst du die vielen Katzen auf dem Nachbargrundstück?“ ,fragte Sara mich. „Schau mal, ob du sie nicht auch operieren lassen kannst“, ich mache eine kleine Pause.

„Gehen Sie rüber und reden mit dem Nachbarn“, sagte mein Herrchen zu der Frau und es war ihm anzumerken, dass er den Platz nicht eher verlassen würde, bis auch diese Tiere operiert worden waren. Ich kannte ihn zu genau.

Ein bisschen Hilfe meinerseits konnte hierbei aber nicht schaden und ich konzentrierte mich so doll ich nur konnte.  Mein Plan gelang, und ich rammte dem Nachbarn, einem uralten Mann, einen Splitter in den Finger. „So, mein Freund, das ist doch eine schöne Grundlage“, grinste ich vor mich hin.

Die Dame, die diese Kastrationsaktion initiiert hatte, redete mit Engelszungen auf den alten Mann ein. Er selbst war eine ungepflegte Erscheinung und seine dreckige Hose zeugte nicht gerade von verschwenderischem Reichtum.

„Sie haben doch auch Schmerzen“, sagte sie und deutete auf den kleinen Verband an seinem Finger.
„Eitert ein bisschen“, sagte der alte Mann und verband wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben die Tatsache seiner Schmerzen mit der Tatsache, dass auch Tiere ebenso Schmerzen empfinden können.

Ich grinste noch breiter.

„Natürlich“, erwiderte die Frau, unverzüglich die Chance nutzend, die sich ihr gerade bot. „Jedes Tier leidet bei Schmerzen genauso wie wir Menschen und schauen sie sich ihre Katzen doch einmal genau an. Sie sind alle sehr dünn und manchen tränen die Augen und die Nasen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, sie Tierärzten vorzustellen und dann brauchen sie in Zukunft die Babys nicht mehr zu ertränken. Ihre Tiere werden nach der Kastration viel gesünder aussehen als jetzt, da sie ihre Kraft für sich selber nutzen können. Und bezahlen müssen sie auch nichts.“ Sie deutete, wie zum Abschluss, erneut auf seinen Finger.

„Sara, ich habe noch 8 Katzen kastrieren lassen!“