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Der Förderverein Arche Noah Kreta e. V. ist ein eingetragener Verein und als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Mitgliedsbeiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar.
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24. Dezember
Es dauerte einen kleinen Augenblick, bis sich alle gesetzt hatten und das allgemeine Raunen leiser wurde.
Meine Nervosität war auf einmal wie weggefegt. Und ich tat das, was ich inzwischen sehr gut beherrschte: ich konzentrierte mich, denn mir war die Ernsthaftigkeit dieses Momentes völlig bewusst.
„Die da unten feiern Weihnachten“, begann ich meine Ansprache mit wohl gewählten Worten, erhob mich und zeigte auf die Erde hinab. „Das bedeutet, dass sich jeder Mensch etwas wünschen kann und ich finde, wir hier in der Welle sollten das auch einmal tun.“
Eine gespenstische Stille hatte sich über den Köpfen der Tiere ausgebreitet.
„Wir alle wissen, dass die Energie in der Welle in den nächsten Jahren dramatisch abnehmen wird.“
Ein erneutes Raunen ging durch die Massen.
Niemand hatte bis jetzt öffentlich gewagt, über dieses Thema zu sprechen, denn negative Gedanken hatten in der Welle keinen Platz. Und ich platzte einfach so damit heraus.
Mir war das aber egal, denn ich machte schon auf der Erde immer das, was ich wollte und nicht das, was man von mir erwartete.
Also stoppte auch in der Welle niemand meinen Redefluss und ich wiederholte zum Trotz: „Wir alle wissen, dass die Energie in der Welle in den nächsten Jahren dramatisch abnehmen wird.“
Jetzt herrschte auf den Decken absolute Ruhe! Man hätte meinen können, meine Zuhörerschaft war eingefroren. Die Kekse fanden keine Beachtung.
„Die meisten von uns sitzen den ganzen Tag an ihren Fernrohren und versuchen „ihren“ einstigen Menschen zu helfen. Prima! Aber es hilft leider nicht viel.“
Ein Hund sprang auf. „Was heißt, es hilft nicht viel?“, rief er über die Köpfe der anderen zu mir herüber.
„Wir schaffen es einfach nicht, die Brutalität der Menschen auf Erden zu stoppen. Auch wenn vereinzelte Idealisten gute Arbeit leisten, ist das noch viel zu wenig!“, entgegnete ich immer unbefangener.
„Und außerdem sitzen ja nur die an den Fernrohren, die durch die Liebe auf der Erde eine starke Bindung zu ihren ehemaligen Frauchen oder Herrchen aufbauen konnten. Wo sind denn die, die in den perversen Mastanlagen, den verfluchten Versuchslaboren oder den gigantischen Schlachthöfen ihr Leben aushauchen mussten?“
Die meisten Tiere senkten den Kopf. Darüber hatten sie anscheinend noch nicht richtig nachgedacht.
Aus der hinteren Reihe erhob sich, gerade als ich weitersprechen wollte, ein langer Hals von einem Tier in die Höhe, das ich im „Bereich der Konzentration“ noch nie gesehen hatte. Die Gans stand auf und sagte: “Du hast recht, kleiner Wirbelwind. Die Arbeit in der Welle muss anders organisiert werden. Wir schaffen es sonst nie, den Menschen klar zu machen, was passiert, wenn die Energie hier oben verbraucht ist. Mein Name ist „Pieps“, man kennt mich hier nicht, aber trotzdem wage ich es, vor euch zu sprechen.“
Alle drehten sich um und starrten die Gans an.
„Ich wurde von einem kleinen Jungen geliebt, als ich auf der Erde lebte“, fuhr die Gans unbeirrt fort. „Seitdem versuche ich das Schicksal für Millionen meiner Verwandten zu verändern, aber es gelingt nicht. Eine Lobby für Gänse, gerade zur Weihnachtszeit, existiert nicht.
Etwas beschämt guckten die meisten Tiere wieder zu Boden.
„Du hast Recht“, rief ich. Genau das habe ich auch erkannt. Wir hier an den Fernrohren helfen immer nur den Menschen, die wir geliebt haben und wenn das Glück mit uns ist, retten diese Menschen ein paar Kandidaten, die ihnen durch uns „zugestellt“ werden. Aber was ist mit den anderen? Mit denen, die nur mit Hilfe der Energie der Welle hier her kommen können und nicht einmal einen Hauch von eigener, positiver Energie mitbringen? Jede Sekunde werden Millionen von uns Tieren bestialisch gehalten oder umgebracht und wir starren durch ein Fernrohr? Hallo Leute, wann wollt ihr anfangen, euch zu wehren?
„Es gibt keine Gewalt in der Welle“ echauffierte sich eine Hundedame.
„Wer redet von Gewalt?“ Ich wurde sauer. Blöde Tussi!
„Was hast du dir denn ausgedacht, um an dieser Tatsache etwas zu ändern?“, wollte eine kleine schwarze Katze wissen.
„Ich habe lange darüber nachgedacht“, antwortete ich und schob meinen Unterkiefer nach vorne.
„Als erstes muss jeder von uns dafür sorgen, dass sich die Arbeit der Menschen, die Tieren helfen, herumspricht...“
Ein riesiger Hund sprang auf und unterbrach mich. Er war gestromt und hatte einen mächtigen Kopf. „Ich kann das und ich werde dafür sorgen, dass alle Leute von unseren Taten hören und lesen können. Ich habe einen guten Draht zu einem, der sich mit dem Internet auskennt und...“
Rover erhob sich und schnitt dem Riesen damit das Wort ab. Trotz seiner blinden Augen war er eine dermaßen würdevolle Erscheinung, die unangefochten Respekt einflößte. Das spürte auch der Riese und hielt in seinem Redeschwall inne.
„Ein sehr guter Plan. Jeder von uns sollte versuchen, so viel wie möglich von der guten Arbeit „unserer“ Menschen an andere weiterzutragen..., aber was hast du dir noch überlegt, Kleine?“, sagte Rover zu mir gewandt.
Jetzt wurde ich doch unsicher, denn dass eine Persönlichkeit wie Rover von meinem Plan hören wollte, machte mich stolz und nervös zu gleich.
„Ich dachte mir...“, begann ich und holte tief Luft. „Ich dachte mir, dass wir vielleicht jemanden... .“ Ich stockte, denn mein Plan war so verwegen, dass ich jetzt selber daran zweifelte.
„Na was denn?“, lächelte mich Rover an und durchbrach mit seiner Blindheit meine Angst.
Genauso hatte er es auf Erden mit den Menschen auch gemacht.
„Ich dachte mir, dass wir jemanden auf die Erde schicken. Jemanden, der eine Welle ausbreitet. Eine Welle von solch ungeahnter Kraft, dass sie einer Revolution gleichkommt.“
Keiner meiner Gäste saß mehr. Die meisten waren aufgesprungen und gestikulierten wild oder redeten durcheinander.
Welch eine Ungeheuerlichkeit verlangte da diese kleine schwarze Hündin? War sie noch ganz bei Trost? Seit Jahrhunderten hatte kein Tier darüber nachgedacht, auf die Erde zurückzukehren und jetzt besaß dieser Wirbelwind die Frechheit, so etwas auszusprechen.
„Deine Idee finde ich gut“, sagte Bolle , der neben mich getreten war. Nun stand ich zwischen zwei Respektspersonen.
„Wie bitte?“, rief die Menge, aber Bolle machte mit einer Pfote eine wegwischende Bewegung.
„Lasst unseren Neuling ausreden. Sie hat innerhalb kürzester Zeit das Konzentrieren gelernt und sogar das Operieren. Vielleicht tun uns neue Ideen mal ganz gut.
Bolle drehte sich zu mir um und erteilte mir mit einem kurzen Nicken wieder das Wort.
„Die einzige Chance, auf der Erde etwas zu verändern, wird darin bestehen, dass wir uns an eine neue Generation wenden.“
„Und wo kriegen wir die her?“, unterbrach mich ein älterer Rüde.
„Die ist schon da“. Alle schauten gespannt nach rechts, in die Richtung, aus der der Satz kam. Auf einem keinen Hocker stand eine rote Katze, die auf Erden offensichtlich auch blind gewesen war. In der Welle trug sie, genau wie Rover, immer noch keine Augen. „Bevor ich durch einen Traktorreifen ums Leben kam“, fuhr sie fort, „lernte ich zwei Kinder kennen, die ihrer Umwelt anders begegneten. Sie nehmen viele Dinge anders wahr, als ihre Väter und Urgroßväter. Sie sind schlau, begabt und wenn sie entsprechend geführt werden, hat die Nachwelt gute Chancen auf große Veränderungen.
„Genau!“, rief ich und strahlte. „Genau so sehe ich das auch!“ Ich war begeistert, dass sich offensichtlich auch andere über dieses Thema Gedanken machten. „Einer von uns muss auf die Erde hinabsteigen und mit den Kindern reden, ihnen die Augen öffnen, sie sensibilisieren für eine Umwelt die nicht mehr mit Füssen getreten werden will und für die Gefühle anderer – für unsere Gefühle! – die auch nicht mehr getreten werden wollen!“
Der Widerstand der Menge war noch nicht gebrochen, aber ich merkte deutlich, wie die Anwesenden unsicher wurden, wild debattierten und gestikulierten.
Was sich hier gerade abspielte, hatte die Welle zuvor noch nie erlebt. Es war aber fünf vor zwölf und mit der Kopf–in-den-Sand-Mentalität würden wir auf lange Sicht nicht weiter kommen. Es musste dringend etwas an der Wurzel geändert werden. Dringend!
Unsere Fernrohre würden dazu nicht ausreichen, das war auch jedem klar. Wir benötigten eine Kinderschar, die das ganze Land überschwemmt. Ein Aufstand von innen heraus mit den eigenen Waffen!
„Ich finde die Idee gut und habe auch schon öfter darüber nachgedacht“, wiederholte Bolle. Er schaute dabei zu Sara hinüber. Sara nickte. Nicht weit davon stand Keule. Auch er begann zu nicken. Dieses Nicken hatte eine magische Wirkung. Immer mehr Tiere nickten. Es sah aus, als fassten sie Mut aus der Magie des Nickens.
Es dauerte nicht lange und die gesamte Menge nickte.
Gemurmel erfüllte die Welle.
„Aber wie soll das gehen und vor allem: wer soll gehen?“, warf Madame Tussi in die Runde.
Ich hatte Angst, dass die Stimmung wieder umschwenken würde und rief, ohne nachzudenken: „ICH!“
Hunderte Augenpaare starrten mich an.
„Nein!“ sagte Rover. „Du gehst nicht!“ In seiner ruhigen Stimme lag eine Bestimmtheit, der niemand widersprechen konnte. Selbst ich nicht.
„Du gehst nicht“, wiederholte er. „Es wäre viel zu gefährlich. Außerdem kennst Du die Menschen nicht gut genug. Wir müssen jemanden schicken, der viel längere Zeit auf Erden gelebt hat und der die Menschen kennen gelernt hat. Vor allem ihre dunklen Seiten. Der besonnen und ruhig ist, der autoritär, aber trotzdem einfühlsam ist. Der mit Kindern umgehen kann und der sie begeistern kann. Der keine Angst kennt.
Dich brauchen wir hier oben an den Fernrohren.
Ich legte die Ohren an.
„Aber wer soll es dann tun?“, rief einer aus der Menge.
Rover richtete sich auf. Er stand kerzengerade vor der Menge und nichts erinnerte mehr an ein Tier. Er wirkte vielmehr wie eine heilige Erscheinung.
„Ich werde gehen“, sagte er.







