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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 18. Mai 2012

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19. Dezember

„Frauchen pass auf! Pass auf! Sie hört auf zu atmen!“ Ich hatte mich für einen kleinen Moment von Lino ablenken lassen und sofort bekam ich die Quittung. 

„Schnell, beatmen!“, rief mein Frauchen meinem Herrchen zu und ich lehnte mich zurück. Mein Frauchen hatte mit meiner Hilfe bemerkt, dass die Katze, die sie gerade operierte, in der Narkose aufgehört hatte zu atmen. Das war das Wichtigste. Alle anderen Handgriffe hatten die beiden hunderte Male trainiert und so flogen die Notfallmedikamente im Sekundentakt über den Tisch. 

Die beiden hatten inzwischen auch gelernt, ruhig bei einem Narkosezwischenfall zu bleiben, eine beim Operieren wichtige Disziplin, denn den Kopf zu verlieren bringt gar nichts – außer den Tod. Zu Lebzeiten verkroch ich mich dann möglichst weit in einer Ecke, denn diese angespannte Ruhe barg etwas Unheimliches. Von hier oben aus betrachtet war das alles halb so schlimm, denn wenn was schief ging, begrüßten wir die Neuzugänge in der Welle und heiterten sie auf. Das wusste natürlich niemand auf der Erde und so fiel dort die Stimmung dann immer in ein tiefes Loch. Alle 700 Operationen stirbt im Durchschnitt ein Tier, eine Tatsache, die meinem Frauchen immer noch zu hoch ist und es auch ein Leben lang bleiben wird, aber kaum zu ändern ist. Denn manches Mal wurden sehr kranke Tiere gebracht, deren Krankheit in ihrem Inneren wütete und von außen einfach nicht zu erkennen war.

Unsere drei Tierärzte hatten inzwischen die Station und damit auch den Ort gewechselt. Quasimodo, Lino und ich verstanden uns immer besser und teilten brüderlich mein Fernrohr. Einer von uns hatte unsere Frauchen und Herrchen immer im Blick, so dass nichts schief gehen konnte. 

Mir war aufgefallen, dass sich Sara und Bolle immer mehr zurückgezogen hatten, was ich damit in Verbindung brachte, dass sie froh und stolz waren, würdige Vertreter gefunden zu haben. Aber die seit heute morgen hängenden Ohren von Bolle machten mir Sorgen und ich nahm mir vor, ihn darauf anzusprechen.

„Bist du böse auf mich?“, schwänzelte ich um ihn herum, aber er reagierte kaum. 

„He, was ist los mit dir?“

„Lass dich nicht wieder ablenken, dein Frauchen braucht dich“, knurrte er und drehte sich weg.

So ging ich betrübt zurück zu meinem Platz, denn ich hatte nichts falsch gemacht und konnte nicht verstehen, warum Bolle so unfreundlich zu mir war. 

Lino und Quasimodo erwarteten mich schon sehnlichst, denn es ging meinem Frauchen nicht gut.

 

Sie war mit der Engländerin, die diese Station leitete, zu einem Stall gegangen, in der ein alter Schäferhund lag. Quasimodo und Lino hatten erkannt, dass auch aus ihm der Lebenswille gewichen war und mein Frauchen sich auf seinen letzten Herzschlag vorbereitete. Als ich durchs Rohr blickte, sah ich nur noch, wie Frauchen und die Engländerin, sich gegenseitig stützend, aus dem Stall heraus kamen und vor lauter Tränen nicht mehr sehen konnten, wo sie überhaupt hin liefen.

Ich hatte keine Chance mehr, helfend einzugreifen.

„Kleine, kommst du mal bitte zu mir.“ Sara stand hinter mir und forderte mich auf, sie ein Stückchen zu begleiten.

„Bolle möchte sich bei dir entschuldigen, er hat das eben nicht so gemeint. Aber er kann nur schwer auf dieses Stückchen Land herabschauen, wenn sein Frauchen dort ist. Dieses Land verbindet die beiden auf alle Ewigkeit miteinander.

Die Engländerin, deren Hund dein Frauchen gerade zu uns begleitet hat, lebte seit über 10 Jahren mit ihm zusammen. Ihr Mann wird ihn dort unten gleich beerdigen. Sein Grab kommt an die Stelle, wo auch Bolle...“ Weiter kam Sara nicht, denn ein dicker Kloß blockierte ihre Stimme.