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Freitag, 3. September 2010

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So hat auch die kleine Katze nichts gespürt

So hat auch die kleine Katze nichts gespürt. Sie dreht und wendet ihren Hals völlig frei von schrecklichen Schmerzen.

Sie stand gestern mitleiderregend vor dem Tor. Der große Ziegenbock hat sie überredet, zu kommen. Immer wieder hat er ihr Mut gemacht und ihr erklärt, dass der Weihnachtspool nichts mit den Zweibeinern zu tun hat, die ihr das angetan haben.

Er hat ihr erklärt, dass sie sterben wird, langsam und qualvoll, wenn sich der Draht um ihren Hals weiter zuzieht. Dass sie durch die schwere Entzündung keine Chance hat, bis zum nächsten Weihnachtsfest zu warten.

„Du hast vielleicht noch einen Monat – wenn du Glück hast – und jetzt komm!“, hatte er ihr mehr als eindringlich gesagt. „Lege dich unter das Zaubertuch und du wirst sehen, ab morgen geht es dir besser. Und denk auch daran, was mit deinen Kindern passiert ist. Bitte die Engel, auch dafür zu sorgen, dass du keine Kinder mehr bekommen kannst und unserem Tal geht es wieder ein klein wenig besser.“

So hatte das kleine Kätzchen eine sehr unruhige Nacht. Immer wieder wachte es auf, schreckte hoch, sah die Menschenhand, die ihr die Drahtschlinge um den Hals zog. Sie schrie und wand sich, konnte aber gegen die brutale Kraft nichts ausrichten. „Ich bekomme keine Luft mehr, ich ersticke…“, aber die Menschen lachten nur. Gerade mal drei Wochen war das her, doch die Angst war frisch wie am ersten Tag.

Der Ziegenbock aber hatte recht. Seit kurzer Zeit schmerzte nun auch schon das Schlucken und größere Brocken bekam sie kaum noch herunter. Das war gefährlich, denn damit schwanden ihre Überlebenschancen. Die anderen Katzen, kaum war Futter gefunden, hatten ein leichtes Spiel, es ihr wegzunehmen. So war sie immer dünner geworden und langsam verließ die Kraft ihren Körper.

Sie schleppte sich schließlich, ihren letzten Mut zusammennehmend, zu dem Tor, hinter dem der Weihnachtspool ein Tuch nach dem anderen auf die Tiere legte. Der Ziegenbock hatte so nett von diesem Ort berichtet und tatsächlich, hier roch es nach Frieden. Sie nahm den letzten Rest Mut und das lange Seil und zog an der Glocke.

Als der Engel sie sah, ballte er vor Wut auf die Menschen eine Faust unter dem Gewand, nickte ihr aber aufmunternd zu.

Sie trat herein.