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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Samstag, 4. Februar 2012

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Die übrig Gebliebenen aus Plakias auf großer Fahrt ins Glück

Seit August gehen viele Überlegungen und Vorbereitungen in Richtung Deutschland, denn ich weiß, dass ich die Insel für 2-3 Monate verlassen muss. Nicht REIF FÜR DIE INSEL, sondern reif für mir vertrautere Gefilde. Keine Sprachprobleme, mir vertraute Kultur und Denkweisen, Familie und Freunde sehen, wann immer ich möchte. Einfach mal raus, neue Ideen sammeln, Abstand zum Alltag und Inspirationen, die man im Alltagstrott nicht bekommt. Wie war das Ziel, wo stehe ich und wie soll es weitergehen? Aber eins nach dem anderen.

Anfang November ist das Ziel, und eine Woche vor Abfahrt sieht man mich nur noch gebeutelt durch die Gegend springen, weniger fahrend, denn: Kühlwasser aus meinem tapferen Tiermobil läuft aus, es springt nicht an, die ersten beiden Gänge lassen sich nicht mehr schalten, der Auspuff muss geschweißt werden... Mein Mann fragt nur noch genervt, WO ich gerade wieder stehe und befördert mich fünfmal in die berühmt-berüchtigten Werkstätten Kretas - innerhalb einer Woche wohlgemerkt. Auch die verdrehen mittlerweile die Augen, und mein Liebling wird nur noch DIE KISTE genannt. Wenn ich Ihnen erzählen sollte, was DIE KISTE die letzten 5 Jahre hier an Futter, Tieren, Flohmarktkram, Hütten und Zubehör weggeschafft hat, müsste sich jeder schämen, ihn so zu nennen. Aber bin ich ehrlich und nicht sentimental, denn eins ist nun mal sicher: es wird seine letzte Reise, so er sie denn schafft.

Die Nerven werden nicht besser, denn immer noch habe ich keine Pflegestellen für unsere letzten drei Hunde. Alle anderen konnten ausgeflogen werden, aber gegen Ende Oktober haben das derart viele Tierschützer getan, dass auch die letzten Schlupflöcher abwinken. Oder sie sind zu groß, zu schwarz, zu auffällig, nicht kastriert; alles keine guten Voraussetzungen...

Nach drei Wochen Herumtelefonieren und Versuchen stellt sich Panik ein, denn sie MÜSSEN mit; sie würden sonst bis zum Anfang der nächsten Flugsaison, also April 2009, festsitzen, und Marita ist im Moment allein.

Thomas Busch beruhigt mich; ich soll alle mitnehmen, irgendwas geht immer... Also, ich bin nicht der Typ, der sie einlädt und noch nicht weiß, wohin mit Ihnen, aber die Not lässt einen zwangsläufig wachsen...

Der Ford der Arche wird von meiner Freundin Barbara im Konvoi mitgenommen, denn er muss zum TÜV. Kein Problem, denn bei dem geht nur die Scheibenwischanlage nicht, eine Lappalie also. Gut zu wissen, dass die Hunde notfalls umgeladen werden können, falls ich doch stehen bleiben sollte. Deshalb nur vier diesmal und nicht bis unter die Decke gestapelt wie sonst. An dieser Stelle ein Dankeschön für diese Leihgabe während der letzten Saison; sie hat unserem Verein immer wieder sehr geholfen, all die Tiere leicht und bequem zum Flughafen zu chauffieren und viele Versorgungstouren gemeistert.

Das Übergabetreffen ist gemacht, die Listen mit Futterstellen, den nächsten Tieren, die kastriert werden müssen, Hundehüttenanwärter, Finanzen etc. sind verteilt, durchgesprochen und - last but not least - das Tierschutzhandy an Marita übergeben.

Ich kann dieses Gefühl kaum in Worte fassen, das sich danach einstellt. Wieder Mensch sein, eine große Last fällt ab, riesengroße Erleichterung, die Verantwortung nicht mehr zu tragen. DANKE an ALLE, die jetzt einspringen, die weitermachen, damit auch im Winter jedem Tier in Not geholfen werden kann. Ohne das Vereinsnetz ist das nicht denkbar

.MINA, BUFFY, PAULI und ein Welpe von Verena werden in die Boxen gesetzt, und die große Fahrt beginnt. Die ersten beiden haben wir von Thomas und Ines in Pflege genommen, als sie im Herbst über unsere Insel sprinteten und die beiden ausgemergelten, ausgesetzten Hunde am Wegrand fanden. Herkunft und Geschichte unbekannt, aber gerade MINA muss eine harte Zeit hinter sich haben. Sie hat Angst vor allem Neuen und ganz besonders vor Männern. Bei Marita und Jürgen taut sie zusehends auf, obwohl sie noch einen langen Weg vor sich haben wird. PAULI begegnete mir auf dem Weg nach Rethymnon, direkt neben der Schnellstraße laufend. Mein Auto rappelvoll, denn ich war auf dem Weg zum Flughafen. Anrufe, wer ihn für ein paar Stunden aufnehmen könnte, bis ich zurückkomme, waren in der Kürze erfolglos, und so musste ich ihn zurücklassen. Der Verstand meldete: DU KANNST NICHT ALLE RETTEN, und vergiss ihn schnell. Lerne dich abzugrenzen, konzentriere dich auf die anderen, die schon da sind. Taff versucht und taff gescheitert. Die Bilder mit dem Pfötchen gebenden traurig guckenden jungen Hund neben den rasenden Autos war wie eingebrannt und machte mich immer wieder traurig. Tage später - Klappe - die Zweite:Er lief wieder an der gleichen Stelle, und ohne einen Moment zu zögern war er schwupps im Auto - so schnell, dass er ganz verdattert war, was sich aber sehr schnell legte, denn ab diesem Moment blühte er nur noch auf.

Die Fahrt verläuft reibungslos, bis auf einen leeren Tank vor der Durchquerung vieler Tunnels und dass meine Freundin die Route Ancona - München unterschätzt hat und kurz vor der österreichischen Grenze die weiße Flagge hisst. Spät nachts komme ich alleine bei Familie Meyer in Bayern an und werde begrüßt, als wäre es acht Uhr abends (es war 23:00). Ich bin gerührt und dankbar über die Selbstverständlichkeit ihrer Hilfe und falle todmüde, aber mit dem Gefühl, angekommen zu sein, ins Bett.

Hier bleibt der Welpe, und der nächste, unser PAULI hat es nicht weit, denn er wird von Frau Karbatsch am Ammersee herzlich in Empfang genommen. Sie hat über Hans Roith von unserer Notlage erfahren und findet eine Pflegestelle, obwohl sie rappelvoll ist. Auch an dieser Stelle ein großes Dankeschön für die unkomplizierte und freundliche Hilfe!

Dann nur noch ein Stopp in Karlstein bei Annette Andres, die des öfteren schon für uns in die Bresche gesprungen ist. Sie hat ihre Familie um Mithilfe gebeten, da sie selber eine Schultergelenksfraktur hat und schwer gehandicapt ist. Durch ihre Arbeit dieses Jahr in einem Reitstall bei uns in Plakias hat sie mich und unsere Arbeit fast täglich genossen und versucht uns nun zu helfen, wo sie kann. Danke an Annette und ihre Familie, die schon lange Tierschutz in ihrer Heimat machen und sich nun auch noch für uns einsetzen!!! Ohne dieses Engagement von so vielen wäre es einfach nicht möglich, unsere Arbeit zu schaffen.

MINA darf in Pflege zu Tatjana, die sich mit ängstlichen Hunden auskennt, und BUFFY darf vorerst bei ihr im Reitstall bleiben, bis sich die passende Familie zu erkennen gibt.

Ich bin glücklich und derart erleichtert, alle so gut untergebracht zu haben, dass ich zu Tränen gerührt bin. Diese Hunde haben wirklich das Letzte von mir gefordert, und sofort stellt sich schwere Müdigkeit ein. Aber einer geht noch, denn die Tour ist noch nicht beendet, es gilt, Flugboxen einzusammeln, die dringend nach Lübeck müssen, wo sie auf den nächsten Futtertransport sollen. Davon in einer anderen Geschichte mehr...

von Brigitte Scheichel