Hilfsnavigation:

Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
Logo und Schrift Förderverein Arche Noah Kreta e.V.

Standortnavigation: Sie sind hier

Tipps und Hilfe zur Bedienung dieser WebseiteLoginKontakt, Ansprechpartner, InfotelefonSitemap
Samstag, 4. Februar 2012

Home

Quicklinks:

Mit Matz fing alles an ...

„Matz(inger)“ kam als erster Hund von dem damals noch nicht sehr alten Förderverein  Arche Noah Kreta e.V. im Mai 2000 zu uns. Ich sehe es noch genau vor mir, wie er mit Thomas Busch als zitterndes, schwer verletztes Hundeelend vor unserem Tor stand. Es kam damals direkt von Kreta, war dort aus nächster Nähe mit einer Ladung Schrot beschossen worden, musste vor Ort notoperiert werden und sollte jetzt zur Nachbehandlung und Erholung eine Weile bei uns bleiben. Aus der „Weile“ sind fast 9 Jahre geworden. Er hat sich bestens erholt, sein linker von Schrot zerschossener Vorderlauf ist inzwischen versteift, aber er kann ihn zum Abstützen gut gebrauchen. So gut, dass  er uns die ersten Jahre mit seinem ausgeprägten Jagdinstinkt und den damit verbundenen Ausflügen ganz schön aus Trab hielt. Mittlerweile ist er in die Jahre gekommen und zieht den kuscheligen Sofaplatz meistens einem Ausflug vor.

In demselben Jahr verbrachten Arne (zur Versorgung der Esel- und Pferdehufe) und ich (zur kleinen Hilfe im damaligen Tierheim) eine Weile auf Kreta. Der Zufall wollte es, dass in dieser Zeit ein schwer verletzter und misshandelter Pointer  - von Touristen in den Bergen gefunden - ins Tierheim gebracht wurde. Mit eingewachsenen Krallen, verbranntem Bauch und unfähig aufzustehen, geschweige denn sich fortzubewegen. Kaum vorstellbar, was diesem Hund angetan worden sein muss! Eigentlich ein Kandidat zum Erlösen, aber ich wollte es versuchen und ihn mit nach Deutschland nehmen. Nach einigen Diskussionen stimmte Arne zu - als 6. Hund zog er bei uns ein.

„Kralle“ blieb zeit seines Lebens ein Pflegefall, aber er konnte, nachdem er auf seine Beine gestellt worden war, kleinere Spaziergänge mitmachen und er fraß mit großem Appetit. Ich glaube, er hatte nach diesem sch… Leben noch 4 gute Jahre mit und bei uns.

Obschon Hunde – solange ich zurückdenken kann - mein ganzes Leben begleiten ( es waren fast  immer welche vom Tierschutz) und ich mir ein Leben ohne überhaupt nicht vorstellen kann, fasste ich zu dieser Zeit einen Entschluss: in Zukunft wollte ich nur noch (Ausnahmen gibt es natürlich immer) sogenannte „Handicaphunden“ also verletzten, traumatisierten und aus solchen Gründen nicht vermittelbaren Hunden ein Zuhause geben. So ist es bis heute geblieben. Einige wohnten nur vorübergehend zur Pflege bei uns, bis sie sich erholt und dann in gute Hände vermittelt werden konnten. Allerdings gebe ich zu, ein schlechter Vermittler zu sein, was man unschwer an der Zahl von teilweise 9 eigenen Fellbeuteln erkennen kann. Zwei sind mittlerweile im Hundehimmel (Axel und Sheena), ich denke sie hatten eine glückliche Zeit bei uns und gehalten natürlich in meinem Herzen einen ganz festen Platz. Es gäbe noch viel zu berichten von unseren Hunden: Ecki Schäfer, Lea, Rabe, aber das würde jetzt zu weit führen.

Doch „Pivo“, der mittlerweile 5 Jahre bei uns ist, muss hier noch besonders erwähnt werden:
Er war einer der letzten Hunde (schon damals 3-beinig), der aus Costas berühmt-berüchtigtem Hunde-KZ evakuiert und nach Deutschland gebracht wurde. Er blutete stark aus seinem Penis (Sticker-Sarkom), wurde in Deutschland mehrfach operiert und bekam Chemotherapie. Der Penis musste jedoch auf Grund des fortgeschrittenen Stadiums der Erkrankung amputiert werden. Es folgten 3 weitere Operationen, um einen neuen Ausgang für den Urin zu schaffen, unendliche Qualen für Pivo und sein Leben stand mehr als einmal auf der Kippe.

Dank der hervorragenden Leistung der Tierärzte des Fördervereins und seinem eigenen starken Lebenswillen konnte er gerettet werden und lebt, außer einem kurzen Tierheimaufenthalt, in unserer Truppe. Noch nie habe ich einen souveräneren und ausgeglicheneren Hund erlebt. Er ist der „Chefhund“, nimmt seine Aufgabe sehr ernst, ist dabei sehr sozial und voller Lebensfreude und Energie. Für mich ist es immer wieder eine große Freude ihm und Life (sein bester Freund und auch ein ehemaliger schwer verletzter Schäferhund von Kreta) beim Spielen zuzuschauen.

Arne und ich einigten uns im letzten Jahr darauf, dass es bei 6 eigenen Hunden bleiben sollte, zumal oft noch mehrere andere Vierbeiner „Urlaub“ auf unserem Hof machen. Wieder kam alles anders, da Ines mich anrief und von einem stark missgebildeten Hund von Kreta berichtete. Er  war als Saugwelpe mit seinen 4 Geschwistern in einer Plastiktüte ins Meer geworfen worden und er hatte als einziger überlebt. Eine mitleidige Seele hat ihn mit der Flasche großgezogen. Je größer er wurde, desto mehr fiel auf, wie behindert er war. Alle 4 Gliedmaßen sind missgebildet, Zehen fehlen, die Beine sind krumm und schief, die Kniescheiben sitzen an der falschen Stelle. Im Alter von 4 Monaten ist er an einem Nabelbruch und einem in der Bauchhöhle verbliebenen Hoden operiert worden. Gleichzeitig stellte man fest, dass er auch ein Loch im Zwerchfell hat. Das Loch wurde verschlossen und er überlebte, was zum zweiten Mal in seinem Leben an ein Wunder grenzte.

Er bekam keinen richtigen Namen und war die Nr. 250, da die endgültige Entscheidung über Leben und Tod noch ausstand. Ines und Thomas brachten ihn mit nach Deutschland, ich schaute ihn mir an und konnte Ines O-Ton: „Ich kann ihn nicht einschläfern. Er hat eine Chance verdient!“, voll verstehen.

Auch diesmal hat Arne meinem Vorhaben Nr. 250 bei uns aufzunehmen zugestimmt. Ein großes Dankeschön an ihn, er vertritt mich bestens bei Krankheit oder Urlaub und die Hunde lieben ihn über alles.

Nr. 250 (Typ Landseer, ca. 10 Monate alt) ist also seit ein paar Wochen bei uns und heißt jetzt  „Quasimo“ (wer ihn sieht, weiß warum). Quasi zeigt ganz viel Lebensfreude und kann jetzt schon eine Dreiviertelstunde mit spazieren gehen. Wir sind verhalten optimistisch, er muss auch noch die 2. ausstehende Knie-OP gut überstehen. Aber: „Ines wird´s schon richten!“

An dieser Stelle meinen besonderen Dank an Ines als hervorragende Chirurgin und für ihr großes persönliches Engagement für die Tiere. Trotz ihres enormen Arbeitspensums im Ausland und auch hier, steht sie uns jederzeit mit Rat und besonders Tat zur Seite.

Wir hoffen, besonders mit Quasimo und unseren übrigen Hunden noch viele Weihnachten verbringen zu können.
Allen anderen Zwei- und Vierbeinern frohe Festtage und viel Gesundheit und Freude im neuen Jahr.

Gaby Brahmstädt

 

Anmerkung von Thomas Busch:

An dem Abend, an dem Gaby mir ihren Bericht für unseren Kalender übergab, hatten sie und Arne Ines und mich zum Essen eingeladen. Ich habe in meinem Leben schon unendlich viele Plätze gesehen, an denen Tiere mit Zweibeinern zusammenleben, aber noch nie ist mir ein friedvollerer Ort erschienen, als auf dem Bauernhof dieser beiden reizenden Menschen.

Wer „unsere“ sieben verletzten Seelen ruhig und völlig ausgeglichen vor dem Kamin auf Sofa, Sessel und Teppich dösen sieht, der erlebt Weihnachten bereits ein paar Tage eher!

Die, die für die restliche Gesellschaft keinen Penny mehr wert waren, sind zu Prinzen und Prinzessinnen aufgestiegen. Und alle sieben wissen das!

Danke Gaby und Arne!