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Foto einer Kreta-Tierschützerin, die einen Arm um einen schwarzen Hunde legt und ihr Gesicht in das Fell des Hunde vergräbt.
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Freitag, 10. September 2010

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Jaouri

Manchmal liegen Schicksale von Hunden und ihren Herrchen eng bei einander.

In unserer Nachbarschaft hat ein alter Opa gelebt, der immer sehr lieb zu allen war. Er hatte viele liebenswürdige Eingenschaften und meine Kinder freuten sich immer, wenn er am Strand auftauchte und am Ende des Monats die ihm verbliebene Rente an die Kantinenbesitzer abgab, um allen Kindern ein Eis auszugeben. Unser Opa Nikos hatte vor Jahren einen Hund angenommen, der ähnlich wie er selbst, einsam durch das Dorf lief. Onkel Nikos war verlassen worden von seiner Frau, hatte wirtschaftliche Probleme und kämpfte sich mich kleinen Jobs durch das Leben, ohne ausserhalb unseres Dorfes in der Gesellschaft seinen Platz finden zu können.

Sein Hund Jiaouri war mittlerweile ein großer, alter Hund und er war immer bei ihm. Auch wenn er zum Strand kam, und dort zur Freude aller Kinder in seiner kurzen Jeanshose schwimmen ging, war Jiaouri bei ihm, angebunden an den einzigen Mülleimer am Strand und wartete auf sein Herrchen. Er ließ sich von allen streicheln und wußte, dass sein Opa Nikos ihn gegen Ende einmal ins Wasser ließ. Nach einem Bier und vielen Eis, die ausgegeben wurden, fuhr Opa Nikos in seinem alten weissen Auto mit Jiaouri auf dem Beifahrersitz wieder nach hause.

So kannten wir die beiden etwa zwei Jahre lang, bis vor einem Jahr, kurz vor Weihnachten diese liebevolle Symbiose ein Ende haben sollte. Opa Nikos kaufte zwei große Säcke Hundefutter, stellte viele Eimer Wasser an seine Hütte, setzte sich in sein kleines weisses Auto, bezahlte seine Schulden im Dorf und fuhr nach Chania. Irgendetwas hatte ihm die Kontrolle über sich und das ungerechte Leben genommen und er schaltete alle seine Liebenswürdigkeit ab, fuhr verzweifelt zu seiner ehemaligen Ehefrau und erschoss sie und sich selber.

Zurück blieb ein Scherbenhaufen an Trauer, an Schuldgefühlen, dass wir alle nicht gemerkt haben, wie schlecht es unserem Opa Niko ging und natürlich blieb auch Jiaouri zurück. Egal wo wir ihn hinbrachten, er lief zurück, um zu gucken, ob Opa Nikos nicht wieder gekommen ist. Wir ließen ihn eine ganze Weile an seiner Hütte und versorgten ihn dort. Er weinte viel und sein Bellen und Rufen nach Opa Nikos führte dazu, dass die Nachbarn drohten, ihn zu vergiften.

Ines und Thomas kamen und besuchten uns, so dass ich einen Check Up machen konnte, Jaouri war auch soweit, dass er verstanden hatte, dass Opa Nikos nicht wieder kommen würde. Gerade als Ines den alten Jiaouro untersuchte, klingelte das Telefon. Eine Tierschützerin aus der Schweiz fragte mich, ob ich vielleicht einen älteren Hund hätte, der ausreisen könnte, da eine Familie neben einem Welpen auch gerne einem alten Hund auf einem großen Grundstück ein zu hause geben wollte. Wir guckten uns alle an und schon war Jiaouri gechipt, geimft und fertig gemacht für die Reise in Schweiz.

Ihm ging es auf der Reise nicht so gut und die Flugpatin hatte große Sorge, ob unser Jiaouri alles unbeschadet überstehen würde, aber nach einigen Stunden bekam ich einen lieben Anruf und die Meldung, dass Jiaouri schon seine neue Umgebung beschnuppert und markiert hatte und dass er einen munteren Eindruck machte.

So kam es, dass Jiaouri jetzt in einer Familie in der Schweiz lebt, viel Platz hat und die von seinem Opa Nikos so geliebten Berge bei sich hat, auch wenn Opa Nikos nur die Kretischen Berge kannte und dort oft mit seinem Hund spazieren ging.

Ich glaube, dass es kein richtiger Zufall war, dass gerade an dem Tag, als eine Reise für Jiaouri möglich wurde, eine Familie nach ihm gefragt hat. Vielleicht kann so die befreite Seele von Opa Nikos in seinem Jiaouri weiterleben, der seinen Lebensabend fernab von allen Problemen und Sorgen in den Schweizer Bergen glücklich verbringen kann.

Eben ein Weihnachtsgeschenk mit all dem Zauber, der auch in unserer hektischen Welt und bei all dem Ärger und den Sorgen immer wieder möglich ist !!!

Christina Rohde-Tsioros