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Montag, 6. September 2010

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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

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Mittwoch, Juli 15, 2009

Bernie, oder auch Tyson genannt, ist einer der Stall- und Wegehunde, die von unserer Truppe im Raum Finikas regelmäßig betreut werden.









Bernie, oder auch Tyson genannt, ist einer der Stall- und Wegehunde, die von unserer Truppe im Raum Finikas regelmäßig betreut werden.

Er gehört einer Familie, dessen Söhne einen großen Schafstall in Skinaria betreiben und die außer ihm noch einige andere Hunde besitzen, die sie zwar nicht gerade misshandeln, aber unserer Ansicht nach mehr schlecht als recht versorgen und als Ziegen- und Schafhüter halten.

Auf der Patenschaftsseite der Arche Noah wird Bernie zwar Tyson genannt, aber wir rufen ihn dennoch Bernie ( ähnelt er doch zumindest farblich einem Bernhardiner ), denn er hat so gar nichts gemein mit seinem boxenden Namensvetter.

Seit 2 Jahren besuche ich diesen wunderschönen, seinem Schicksal ergebenen Hund nun an den verschiedensten meist sehr abgelegenen und einsamen Plätzen. Verschieden, da er häufiger mal umgezogen wird, je nachdem welche Schafs- oder Ziegenherde er zu bewachen hat.

Touristen hatten Brigitte gemeldet, dass in Skinaria auf dem Weg zum Timios Stavros ein Hund ohne Futter und Wasser angebunden war.
Hannelore erklärte sich daraufhin bereit dieses Tier regelmäßig zu betreuen. Als sie aber nach einigen Monaten wieder zurück nach Deutschland musste, übernahm ich die Versorgung.

Als ich Bernie das erste Mal gesehen habe, war er völlig verängstigt und verschüchtert. Er freute sich zwar uns und vor allem die Futtertüte in meinen Händen zu sehen, zog sich aber sofort soweit es seine Kette zuließ zurück und war um nichts in der Welt zu überreden näher zu kommen.

Erst als wir uns etwas entfernten, stürzte er sich hungrig auf das mitgebrachte Futter.

Über ein Jahr lang betreute ich diesen Hund 2- 3 mal wöchentlich, ohne dass sich in seinem Verhalten viel änderte. Immerhin traute er sich manchmal so nah heran, dass er an meiner Hand schnüffelte. Doch bei der kleinsten Bewegung zog er sich sofort wieder zurück.

Immer wenn es meine Zeit zuließ, setzte ich mich einfach eine Weile zu ihm, um ihm Gesellschaft zu leisten und die Ruhe und Aussicht an dieser Stelle zu genießen. Und immer war es das gleiche Spiel – vorsichtiges Nähern, Schnüffeln und sofortiger Sicherheitsabstand.

Ich hatte schon jede Hoffnung aufgegeben, dass sich an diesem Verhalten jemals etwas ändern würde, als es dann irgendwann passierte.

Wie immer setzte ich mich in seine Nähe, hielt ihm meine Hand hin, ohne ihn anzusehen und sprach leise mit ihm. Ganz plötzlich und unvermittelt spürte ich seine Pfote in meiner Hand.

Wir waren beide völlig perplex, trauten uns nicht uns zu bewegen und warteten was der andere nun tun würde. Ganz vorsichtig begann ich ihn zu streicheln. Er war wie erstarrt, rührte sich aber nicht von der Stelle. Mich überkam ein Glücksgefühl, das alle bisherigen Mühen und Anstrengungen wettmachte.

Von diesem Moment an traute Bernie sich häufiger sich anfassen zu lassen, zwar immer auf dem Sprung, aber doch zunehmend genießerisch.

Das nächste Schlüsselerlebnis war dann eine Evakuierungsaktion, während eines Brandes in Skinaria und Amoudi.

Bernie verbrachte die Nacht während des Brandes in einer der Boxen des Hühnerstalls bei Marita und Jürgen. Nur ungern brachten wir ihn am nächsten Tag wieder zurück zu seiner Hütte. Das Feuer vom Vortag hatte sich glücklicherweise unterhalb des Hügels eine andere Richtung gesucht und der Platz war unversehrt.
Auch nach diesem Erlebnis schien Bernie immer mehr Vertrauen zu fassen, ließ sich immer leichter streicheln und freute sich über jede Zuwendung.

Doch der eigentliche Knoten platzte dann bei einer unserer Kastrationsaktionen.
Wir hatten vom Besitzer die Erlaubnis erhalten Bernie kastrieren zu lassen.
Es  erwies sich zunächst als nicht ganz so einfach den Hund zur Kastration abzuholen , da er zu diesem Zeitpunkt an einem Ort in der Schlucht zwischen Mirthios und Selia angebunden war, der mit dem Auto nicht zu erreichen war.
Mindestens 10 Minuten Fußweg über einen steinigen, unebenen Ziegenpfad immer am Rande des Abgrunds entlang erwartete uns. Und das mit einem nicht gerade kleinen Hund, der in seinem ganzen Leben noch nie an einer Leine gelaufen war.

Maritas einziger Kommentar: "Falls er springen sollte, lässt Du ja wohl hoffentlich die Leine los..."
Doch alles ging glatt und Bernie gelangte hoch erfreut über das unerwartete Abenteuer zum Kastrationsort, wo schon reges Treiben herrschte und sich bereits viele Zwei- und Vierbeiner tummelten. Nicht ahnend, das ihm ein operativer Eingriff bevorstand, war Bernie ein Ausbund an Freude und Aufregung. Sein Schwanz stand nicht eine Sekunde still, jeder Hund wurde begrüßt und beschnüffelt und selbst ein leichter einsetzender Regen konnte seine Laune nicht trüben.

Die Kastration hat er gut überstanden. Wieder durfte er eine Nacht im Hühnerstall verbringen, musste aber am nächsten Tag in die Schlucht zurückgebracht werden. Nachdem Marita und ich ihn wieder an seiner Kette befestigten und uns nach vielen Streicheleinheiten verabschiedeten, war es das erste Mal, dass er jaulte und weinte, als er verstand, dass er allein zurückbleiben würde.

Es brach mir fast das Herz.

Seit diesem Tag ist dieser Hund wie ausgewechselt. Er springt wie ein Gummiball auf und ab, wenn er mich kommen sieht und lässt sich ohne Probleme berühren, streicheln und untersuchen, wenn es nötig ist. Wir spielen und ringen miteinander und oft genug muss ich aufpassen, dass dieser Brocken meine 52 Kilo nicht einfach vor Begeisterung über den Haufen wirft.

Das Allerbeste allerdings sind unsere inzwischen eingeführten Spaziergänge. Unser erster Kurzausflug dauerte sicher eine Stunde, ohne dass wir großartig vom Fleck gekommen wären. Jeder Grashalm, jede Blume und jeder Käfer musste ausgiebig beschnüffelt und untersucht werden. Es war eine Freude zu sehen, wie Bernie offensichtlich die Welt neu entdeckte.

Mittlerweile gehören diese Spaziergänge zur 2-täglichenVersorgungsroutine und auch nach einem langen Arbeitstag bringe ich es nicht über mich seine freudige Erwartung zu enttäuschen. Ein halbes Stündchen Zeit ist immer drin.

Inzwischen lebt Bernie wieder in Skinaria. Diesmal hat ihn sein Besitzer am Schafstall der Familie angekettet. Hier ist er zumindest nicht mehr ganz so einsam, da fast immer ein oder mehrere Arbeiter vor Ort sind und er außerdem einen kleinen frei laufenden Welpen als Gesellschaft hat. Es ist rührend zu sehen wie dieser große kräftige Hund dem kleinen Zwerg ganz vorsichtig die schwere Tatze auf den Rücken legt, um ihn zum Spielen aufzufordern oder aber ihn warnend mit angelegten Ohren ansieht, wenn dieser sich dreist an Bernies Futterration heran zumachen wagt.

Schön wäre es, wenn wir Bernies Schäfer eines Tages überreden könnten, sich von ihm zu trennen ( da ihm ja offensichtlich nicht allzu viel an ihm gelegen scheint ), um ihn in eine tierliebe Familie vermitteln zu können oder  ihn gar selbst adoptieren zu können, was zur Zeit schon wegen meiner Wohnsituation ( kleinst- räumiges 2 Zimmer- Appartment , dass ich mir mit meinem griechischen Mann und vier absolut hundefeindlichen Katzen teile) ein ferner Traum zu bleiben scheint.

Und dennoch, träumen ist erlaubt und wer weiß was das Leben noch für Überraschungen bereit hält.

 

Text: Maren, Fotos: Jürgen Wollschläger

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